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15.06.2010

Shortcut: Vocal-Sound

11 Tipps für bessere Ergebnisse

Klar, jeder Sänger träumt vom optimalen Vocal-Sound. In der Realität ist man von den Aufnahmen und dem Sound der eigenen Stimme jedoch häufig eher enttäuscht. Alleine die Technik dafür verantwortlich zu machen, ist dabei aber sicher falsch. Sei dir immer bewusst, dass du die Soundquelle bist. Es fängt mit deiner Stimme an – die Technik bildet nur ab, was du rein gibst!

Deswegen geht es im folgenden Shortcut auch nicht um Kompressoren, Filtereinstellungen und technische Geheimtipps, sondern um dich! Egal, ob Studio oder Live: Je weniger Geräte zum Einsatz kommen, desto weniger kann falsch eingestellt werden. Im Folgenden will ich dir ein paar grundsätzliche Dinge zeigen, die dir helfen können, ein besseres Ergebnis zu erzielen.

1. Haltung

Nicht verkrampft aufrecht, sondern entspannt stehen, heißt die Devise. So stehen, wie du später singst. Lemmy von Motörhead bevorzugt z.B. eine sehr ungewöhnliche Haltung ... aber wenn’s beim Singen hilft, ist alles erlaubt. Wichtig ist, dass du eine entspannte Kopfhaltung einnimmst. Stell dir vor, du bist eine Marionette an einem Faden. Weitere Details zu diesem wichtigen Thema findest du im Vocal-Workshop mit Schirin Al Mousa (Klick!).

2. Stativeinstellung

Das Stativ muss so eingestellt werden, dass du in die Mitte der Kapsel singen kannst. Stative mit sogenannten „Galgen“ (wie im Bild), bieten den Vorteil, dass man mehr Bewegungsraum hat (z. B., wenn du beim Singen auch Gitarre spielst).

3. Mikrofonabstand

Live empfehlen sich als Faustregel etwa drei Finger Abstand zwischen Mund und Mikro. Den Mund direkt an der Kapsel haben eigentlich nur Rapper...

4. Mikrotechnik

Der richtige Abstand macht's! Falls du mit gleich bleibender Intensität singst, kannst du den Abstand immer konstant lassen. Singst du aber dynamisch wie die Soul-Diven, solltest du üben, den Abstand passend zur Intensität zu verändern. Sprich: Powerst du, dann weiter weg – hauchst du, dann ran an die Kapsel! Das erfordert natürlich Übung. Untrainierte Sänger überreißen gerne und die Stimme wird indirekt. Stell dir ein unsichtbares Gummi zwischen dem Mikro und deinem Mund vor. Je lauter der Ton, desto mehr spannt sich das Gummi – je leiser, desto entspannter ist es! Wichtig ist, dass du flexibel immer wieder zur Ausgangsposition zurückkehrst (wie unter 3). Die Kontrolle geht übers Hören: Es darf nicht dröhnen (zu nah) und nicht indirekt klingen (zu weit weg).

5. Poppvermeidung

Im Studio singst du mit einem Poppschutz – live mit der richtigen Gesangstechnik. Dynamische Mikros sind weniger anfällig als Studio-Mikrofone. Mache mal folgenden Test: halte die Hand etwa eine Handbreit vor den Mund und spreche ein „p“. Du spürst den Luftdruck. Versuche das „p“ wie ein hartes „b“ (baker) zu sprechen. Du merkst, der Impuls wird geringer. Die weniger schlimmen Konsonanten „t“ oder „k“ singst du einfach bewusst „weicher“ – achte aber darauf, dass es verständlich bleibt. Du kannst auch das Mikro kurz etwas zur Seite nehmen, sodass der Impuls an der Kapselmitte vorbei geht. Ohne Übung geht leider gar nichts ... also am besten mit deinem Mikro ausprobieren! Im Studio kannst du im Prinzip einfach lossingen – falls es trotzdem Probleme mit den harten Konsonanten geben sollte, wende die oben genannten Tipps an.

6. Kopfhörer

Nimmst du im Studio auf, probier verschiedene Kopfhörer aus – und entscheide dich für den, mit dem du dich am Wohlsten fühlst. Eine gute Performance ist hier definitiv wichtiger, als ein mögliches Übersprechen. Hast du Probleme mit der Intonation, nimm eine Muschel ein Stück vom Ohr weg oder schieb sie etwas zur Seite. Jetzt hörst du wieder mehr von deinem direkten „Natursound“. Tipp: Lauter Gesang im Kopfhörer ist gut, aber wenn die Harmonieinstrumente im Verhältnis zu leise sind, intonierst du falsch. Falls das alles nichts hilft, du es aber eigentlich kannst, wechsel noch mal den Kopfhörer.

7. Stimmverteilung

Wenn du im Studio mehrere Stimmen einsingst, kann es helfen, die Stimmen räumlich zu verteilen: z.B. aufgenommener Gesang leicht links – deine neue Spur leicht rechts. So kannst du besser orten, wie exakt du singst. Liegen die Stimmen genau übereinander, weiß man nie, ob eventuelle Fehler schon aufgenommen sind – oder gerade passieren. Auch für die Intonation kann so eine Verteilung sehr hilfreich sein.

8. Runter vom Präsentierteller!

Du fühlst dich wie im Zoo? Im Aufnahmeraum wird das Mikro in der Regel immer schön vorm Regiefenster aufgebaut. Sollte es dich stören, dich beim Singen wie im Zoo zu fühlen – oder stummfilmartig die Vorgänge in der Regie verfolgen zu müssen – such dir einen Platz, den du magst: Neben dem Fenster, mit dem Rücken zur Regie – was auch immer dir hilft. Das Mikro muss nicht dort stehen. Mach den Mund auf – nur die Performance zählt!

9. Pausen und Durchatmen

Zur Entspannung öfter die Kopfhörer vom Ohr nehmen – und auch ruhig mal frische Luft atmen. Beim Konzert geht das natürlich nicht so ohne Weiteres – ist aber ohnehin eher ein Studioding. Gerade wenn die Gesangskabine sehr klein ist, geht das schnell auf Stimme und Konzentration. Aber auch Überkonzentration ist kontraproduktiv – fünf Minuten Pause können da Wunder wirken. Oder hör dir deine Spur doch auch mal in der Regie, statt nur über Kopfhörer an. Auch das sorgt für Entspannung.

10. Treibstoff

Ein bisschen was im Magen wirkt Wunder. Mit total leerem Magen hat dein Körper irgendwann keine Kraft mehr, und dann lässt die Stimme nach. Auch solltest du öfter mal einen Schluck trinken. Das entspannt die Stimme und befeuchtet den Mund. Du funktionierst wie ein Sportler – singen ist eine körperliche Tätigkeit!

Trinke aber besser stilles Wasser, denn eine gehörige Portion Kohlensäure wird unerwünschte Nebenwirkungen haben, die dich vom Singen ablenken könnten ... und wenn es dann doch mal der kräftige Schluck Cola, o.ä. sein muss – einfach raus mit der Kohlensäure-angereicherten Luft. Du bist schließlich nicht im Restaurant, sondern im Studio, und hier geht es um deine Vocal-Performance.

11. Atmo!

Das Beste zuletzt: Gestalte dir deine Umgebung so, dass du dich möglichst wohlfühlst. Übertreibe nicht, aber nimm dir ruhig ein paar Dinge mit, die dich in Stimmung bringen. Falls es eben eine Lava-Lampe sein muss, wie bei einem australischen Produzenten mit dem ich mal aufgenommen habe, bitteschön! Falls ein Foto oder die Lieblingskaffeetasse reicht – umso besser!

Veröffentlicht am 15.06.2010

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