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Test
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08.12.2015

Shure Motiv MV88 Test

Stereo-Mikrofon für iOS-Devices

Kleines Aufsteck-Mikro mit großem Sound

Seit Anfang der 1930er Jahren stellt die amerikanische Firma Shure Mikrofone her. Nicht mehr wegzudenken ist das SM58, ein Arbeitstier unter den Livemikros, das auf fast keiner Bühne, in annähernd keinem Proberaum un dauch nur in wenigen Studios fehlen dürfte. Andere Klassiker hören auf Spitznamen wie “Elvismikro“ oder „Fahrradlampe“ und haben sich über die Jahre als verlässliche Mikros für den täglichen Gebrauch etabliert.

Das MV88 geht für € 159,– über den Ladentisch, wird am Lightning-Anschluss eines sogenannten iOS-Gerätes (also iPhone, iPod und iPad) angeschlossen und benötigt keinerlei zusätzliche Kabel zur Signalübertragung oder Stromversorgung. Der Hersteller preist es als Allroundmikro an, das sowohl für Livemusik als auch für Sprache oder Aufnahmen in der Natur geeignet sein soll. Im Test soll geklärt werden, ob es diesen unterschiedlichen Ansprüchen tatsächlich gerecht werden kann. 

Details

Sehr kleines, schickes Gehäuse mit Klumpfuß

Das MV88 ist knappe 7x3x4 cm klein, wird mit einem aufsetzbaren Schaumstoff-Poppschutz, einem kleinen Verlängerungskabel für die Miniklinken-Buchse und mit einer stabilen Transporttasche geliefert. Dieses kleine Täschchen ist aus dünnem, aber festen Material und leicht versteift, um das Mikrofon vor kleineren Rempeleien und allzu viel Druck zu schützen. Seine Ausmaße sind wirklich nur einen Hauch größer als das Mikro inklusive Ploppschutz selbst. Es besitzt keine Ecken oder harten Kanten, sondern ist organisch abgerundet, sodass man sich das Teil so gerade eben noch in die Hosentasche stecken kann. Das kleine Verlängerungskabel, mit dem man den Miniklinken-Anschluss der i-Geräte um ein paar Zentimeter verlängern kann, ist ein schönes Add-on, wird aber sicher von den wenigsten benötigt. Aber da das MV88 einen relativ massiven, breiten Sockel besitzt, könnte es bei manchem Zubehör, etwa einem ebenfalls installierten Kopfhörerstecker, vielleicht zu eng werden, sobald das Mikro aufgesteckt ist. In diesem Fall täte das kurze Kabel einen hervorragenden Dienst. Außerdem lässt sich durch einstecken dieses Kabels das interne Gerätemikrofon der iDevices mechanisch ausschalten. So kann man sicher sein, dass auf keinen Fall das interne Mikro, sondern ausschließlich das MV88 für Aufnahmen benutzt wird – sehr praktisch. Der mitgelieferte Ploppschutz macht einen sehr stabilen und festen Eindruck, und hält dank Plastikkorb sicher auf dem Mikrofongehäuse. 

Das MV88 wurde mit einem Gelenk ausgestattet, das es erlaubt, das Mikro stufenlos um bis zu 90 Grad anzuwinkeln und auch noch um die eigene Achse zu drehen, um die Einsprechrichtung anpassen zu können. Legt man das iDevice auf eine flache Unterlage, macht es Sinn, das Mikro auf 90 Grad anzuwinkeln. Zielt man aus der Hand haltend auf Schallquellen, so hält man ein iPhone oder iPod ja meistens leicht schräg vor sich, so dass man den Winkel des Mikros zur Schallquelle meist auf eine Postion von ca. 45 Grad stellen wird. Diese Gelenkigkeit vereinfacht das Handling ungemein. Manche anderen iDevice-Mikros besitzen leider kein solches Gelenk.

Ohne eigene App läuft nicht viel

Schließt man das MV88 an einen dafür vorgesehenen Lightning-Anschluss an, so wird man direkt zur „MOTIV“-App im App-Store geleitet. Ohne diese kostenlose App läuft nicht viel, denn die verschiedenen Einstellungen, die vorzunehmen sind, lassen sich ausschließlich über MOTIV vornehmen. Da die MOTIV-App aber kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ist dies für mich keinen echter Nachteil. Sie ist auf das nötigste reduziert, und bietet ohne viel Schnickschnack eine Aufnahme-Ansicht, eine weitere Ansicht mit Zugriff auf die Settings für die diversen Mikrofoneinstellungen und Features, und eine Liste zum Verwalten und Versenden der Aufnahmen.

Unter dem Menüpunkt „MOTIV-Einstellungen“ gelangt man zur Ansicht der Mikrofon-Einstellungen und der DSP-Effekte. Am auffälligsten ist die Justierbarkeit der Stereobreite. Mit Hilfe einer stilisierten Grafik des MV88 lässt sich per Fingerwisch die gewünschte Stereobreite zwischen 60 und 130 Grad festlegen. Die Stereofonie wird mit Hilfe einer sogenannten M/S-Mikrofontechnik erreicht, bei der zwei Mikrofonkapseln eingesetzt werden: eine Kapsel, die in Richtung Aufnahme-Quelle ausgerichtet ist, eine zweite Kapsel mit Achter-Charakteristik, die das Seitensignal einfängt. Mit Hilfe dieser Konfiguration lassen sich durch Pegeladdierung oder Subtraktion verschiedene Aufnahmewinkel realisieren. Man hat zudem die Wahl, das reine Mittensignal aufzunehmen, um beispielsweise eine Sprachaufnahme in Mono zu machen. Das Signal der bidirektionalen Achter-Kapsel ist ebenfalls wählbar, oder, was den meisten Anwendern genügen dürfte: Man bemüht beide Kapseln für eine Aufnahme und wählt das M/S Signal, was innerhalb der App in ein Stereosignal dematriziert wird. Als Puristen-Goodie stellt die Software einen Modus zur Verfügung, mit der man das rohe M/S-Signal aufzeichnen, und zur manuellen Dekodierung und Weiterverarbeitung in einer Softwareumgebung seiner Wahl verwenden kann. Hierbei wird das Mittensignal der Niere auf die linke Spur, und das Seitensignal der Acht auf die rechte Spur ausgegeben.

Fünf Presets, die eine gute Ausgangsbasis für schnelles Arbeiten bieten

Innerhalb der MOTIV-Sotware stehen den Preset-Liebhabern fünf auswählbare Modi zur Verfügung, die die Einstellungen für Gain, Stereobreite, Equalizer und Komprimierung für ganz spezifische Aufnahmesituationen optimieren. Die Software-Entwickler von Shure haben einen Modus für Sprache, einen für Gesang, einen für akustische Instrumente und leise Umgebungen, einen für laute Bands und Aufnahmen in lauter Umgebung und natürlich einen, der das Audiosignal zur späteren Verarbeitung völlig unbearbeitet lässt, zur Verfügung gestellt. Ich persönlich bevorzuge, das unbearbeitete Signal zur Verfügung zu haben, aber wer auf die Schnelle und ohne zwingend nachbearbeiten zu wollen, eben mal rasch eine Aufnahme machen möchte, wird sich gerne dieser Presets bedienen.

Settings

Des Weiteren steht ein mit „Windgeräuschreduzierung“ betitelter Schalter zur Verfügung, der nichts anderes als ein steilflankiges Hochpassfilter ist. Zusammen mit dem Ploppschutz stellt dies eine wirkungsvolle Waffe gegen ansonsten pegelvernichtende Windgeräusche dar. Wem dies noch nicht reicht, der kann den zusätzlich erhältlichen, nicht im Lieferumfang befindlichen, „Rycote Windjammer“ erwerben, der passgenau auf den vorhandenen Schaumstoff-Ploppschutz passt.

In einem weiter Fenster namens „Erweitere Funktionen“ können die Equalizer-, Limiter- und Kompressor-Einstellungen fein abgestimmt werden. Hat man sich für einen der fünf Preset-Modi entschieden, so kann man hier noch einmal weiteren Einfluss auf die DSP-Bearbeitung nehmen. Die jeweiligen Charakteristika der Presets werden hier nicht abgebildet, die vom Benutzer vornehmbaren Justierungen werden zusätzlich auf das Signal draufgerechnet. Als Aufnahme-Format kann sich der gemeine Nutzer zwischen 16Bit/44,1kHz und 24Bit/48kHz im unkomprimierten WAV-Format entscheiden. Die verbleibende Aufnahmezeit, mit der sich das iGerät bespielen lässt, wird entsprechend dem freien Speicher umgerechnet und in Stunden und Minuten angezeigt. Sehr praktisch für alle, die Aufnahmen machen wollen und nur noch wenig Speicher zur Verfügung haben.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • klein, leicht und einfach zu bedienen
  • hervorragende Soundqualität
  • regelbare Stereobreite
  • auch für laute Signale wie Proberaum-Situationen geeignet
  • wählbare Richtcharakterstatistik

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