Hersteller_Shure
Test
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20.09.2013

Shure PG Wireless System Vocal Test

Drahtloses Mikrofonsystem

Großes Kino für kleines Geld

Welche Sängerin stolpert während eines Auftritts schon gerne über Kabel? Welcher Sänger lässt sich auf der Bühne schon mit Vergnügen an die Leine legen? Drahtlos-Systeme versprechen da weitaus mehr Sorgen- und Bewegungsfreiheit. Vorausgesetzt, sie agieren zuverlässig und sind kinderleicht einzurichten, sodass bei Gigs auf kleinen Bühnen oder in der Kneipe »um die Ecke« nicht immer gleich ein Techniker vor Ort sein muss, der für ein zuverlässiges Signal sorgt.  

Auch wenn der Name Shure auf dem hart umkämpften Markt der »Handfunken« ein echtes Aushängeschild ist, soll uns das nicht davon abhalten, das für Sänger/innen zugeschnittene Shure PG Wireless-System kritisch zu beleuchten, damit Einsteiger nicht nur auf der Bühne, sondern auch beim Kauf eines Drahtlos-Systems nicht ins Stolpern geraten.

Details

Die PG Wireless-Reihe von Shure richtet sich an Einsteiger in der Welt der drahtlosen Bühnenmikrofonsysteme. „PG“ steht dabei für „Performance Gear“ und kennzeichnet das preisgünstigste Segment des Shure-Portfolios. Beim Öffnen der stabilen Kartonage staunt der interessierte Anwender ein wenig: Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Audio-Equipment ausgepackt habe, dass wie ein Kühlregal-Sandwich in vorgegossener Plastikhülle untergebracht war. Sei’s drum – guten Schutz für den Geräte-Lieferumfang verspricht diese Verpackung allemal. Ein mehrsprachiges Handbuch gibt Auskunft über Funktionen und Installation der enthaltenen Geräte. Das ist heute nicht mehr unbedingt selbstverständlich. Das 12V-Netzteil des Empfängers kommt im eigenen kleinen Karton daher und verfügt über Ösen, um es beispielsweise in einem Rack festschrauben zu können, und auch die mitgelieferte Mikrofonklemme ist absolut road-tauglich. Sie ermöglicht sowohl das Einschieben als auch ein Einklicken des PG58.

Erhältlich sind die Drahtlos-Systeme der PG-Reihe in neun verschiedenen anmeldebefreiten Frequenzversionen. Abhängig von der konkreten Frequenzversion können maximal 12  Funksysteme pro Frequenzband zugleich betrieben werden. Da eine Umrüstung auf neue Frequenzbereiche nicht möglich ist, habe ich mich für den Test für die auf jeden Fall zukunftssichere Variante T11 entschieden. Somit arbeitet das vorliegende Funksystem im europaweit freigehaltenen Frequenzbereich zwischen 863 und 865 MHz, dem sogenannten „Harmonized Frequency Band“. Damit kann es auch über 2015 hinaus anmeldefrei betrieben werden. Da dieser Frequenzbereich jedoch sehr schmal ist, können in der Regel nur zwei oder drei Drahtlossysteme zugleich innerhalb derselben Bühnen-Installation verwendet werden. Hier lohnt es sich für Kaufinteressierte, sich auf den Internetseiten des Herstellers Shure schlau zu machen. Dort geben einige PDF-Files Tipps zur Entscheidungshilfe. Für Hobby-Musiker sollte die T11-Version aber in vielen Fällen ausreichen.

Shure PG58/BLX2

Das Shure PG58 ist der Handsender dieses Wireless-Systems und wird mit zwei AA-Batterien betrieben, für deren Lebensdauer der Hersteller bis zu 14 Stunden Dauerbetrieb verspricht. Sein Übertragungsbereich ist mit einer Frequenzspanne von 60 Hz bis 15 kHz zwar der eingeschränkteste unter den Shure-Handsendern, doch im Vergleich mit dem Standard seines großen Bruders SM58 fehlt ihm lediglich der Bereich von 50 bis 60 Hz. Vokalisten dürften deshalb in der Regel getrost über diese Einschränkung hinwegsehen können. Die dynamisch arbeitende Kapsel des PG58 kommt mit einer Nierencharakteristik daher, die Signal-Feedbackschleifen auf der Bühne vermeiden soll. Mit einer Empfindlichkeit von -53 dBV/Pa ist das PG58 sogar besser aufgestellt als das bereits erwähnte SM58 und dennoch robust genug, um auch auf lauten Bühnen und bei hohen Gesangspegeln bestehen zu können.

Der Handsender bietet eine LED-Anzeige, die Auskunft über den Batteriestatus gibt. Bei kritischem Batteriestatus wechselt die LED von grün nach rot. Dann steht dem Anwender immerhin noch ca. eine Stunde Betriebsdauer zur Verfügung, bevor der Handsender »den Geist aufgibt«. Außer dieser Batteriezustands-LED und einem Ein-/Aus-Schalter lässt das PG58/BLX2 auf den ersten Blick weitere Extras vermissen. Doch der Eindruck täuscht: Wer das Batteriefach aufschraubt, entdeckt darunter gut geschützt sowohl ein beleuchtetes Display, das zur Anzeige der Kanalwahl dient, als auch zwei Taster für die Auswahl von Funkkanal und verwendeter Sendergruppe. Außerdem kann durch längeres Drücken des Kanalwahltasters auch eine Pad-Funktion aktiviert werden. Ist sie aktiv und sorgt somit für eine Pegelabsenkung um 10 dB, wird dies ebenfalls im Display angezeigt. Die maximale Sendeleistung des PG58 liegt mit 10 mW an der zugelassenen Obergrenze und ist damit vergleichbar mit anderen modernen Drahtlos-Systemen. Ein sinnvolles Feature ist auch die Möglichkeit zum Sperren der Bedienelemente. Wird bei eingeschaltetem Sender der Taster zur Wahl der Gruppe dauerhaft gehalten und zusätzlich die Kanalwahltaste für etwa zwei Sekunden gedrückt, können Gruppen- und Kanalwahl gegen weiteren Zugriff gesperrt werden.

Der »Fuß« des Handsenders hat ein weiteres nützliches Extra zu bieten. An seinem Ende befindet sich eine aufgesteckte farbige Kennzeichnungskappe. Sie kann durch zusätzlich erhältliche andersfarbige Kennzeichnungskappen ersetzt werden. Auf diese Weise können mehrere PG58/BLX2, die auf einer Bühne im Einsatz sind, auf die Schnelle vom Tonverantwortlichen unterschieden werden. Auch diese Idee ist wirklich pfiffig.

Shure BLX4

Der Empfänger dieses Wireless-Systems ist der Shure BLX4. Wie in dieser Preisklasse mittlerweile üblich, arbeitet er als Diversity-Empfänger. Das heißt, er empfängt Funksignale mittels zweier Antennen, wobei er jeweils das Signal verwendet, das die bessere Signalübertragungsqualität gewährleistet. Die über einen Mikroprozessor gesteuerte Diversity-Funktion ermöglicht dadurch insbesondere in solchen Umgebungen eine zuverlässigere Arbeitsweise, in denen Funkwellen reflektiert oder gestört werden können, wie etwa in Stahlbetonbauten oder Veranstaltungshallen.

Um freie Frequenzbereiche zu finden, bietet die Einstiegsklasse unter den Shure-Sendern eine automatische Suchfunktion, die selbstständig Kanäle auftreibt, auf denen das Gerät frei von Intermodulationen mit anderen Funksendern/-empfängern agieren kann. Dabei wird vom BLX4 nicht nur eine beliebige freie Trägerfrequenz, sondern diejenige Frequenz gesucht, die die beste Signalqualität ermöglicht. Im Unterschied zur zur PGX-Reihe von Shure ist die Antenne beim BLX4 intern verbaut und keine Möglichkeit zum Anschluss weiterer Antennen vorgesehen. (Das ist erst bei den Shure-Profi-Systemen SLX, ULX und UHF-R gegeben.)

Eine zweifarbige LED gibt am Empfänger den jeweiligen Audiostatus an. Liegt ein Signal an, leuchtet die LED grün, bei Übersteuerungen dagegen rot auf. Bedienelemente für Guppen- und Kanalwahl sowie ein zugehöriges Display und der „Power“-Schalter komplettieren die aufgeräumte Front des BLX4. Wie beim PG58/BLX2 so steht auch beim BLX4 eine Tastensperre zur Verfügung. Werden Gruppen- und Kanalwahltaster des eingeschalteten Empfängers für ein paar Sekunden zugleich gedrückt, können die Bedienelemente des BLX4 gegen weiteren Zugriff gesperrt werden. Insgesamt ergibt sich damit ein praxisnahes Package von Funktionen, das dem Anwender Übersicht und Sicherheit in der Bedienung des Funk-Sets verschafft

Auf der Geräterückseite stehen ein XLR- und ein Klinkenausgang zur Verfügung, und das war’s auch schon. Außer der zusätzlichen Zugentlastung für die ebenfalls rückseitig angebrachte Stromzufuhr gibt es dort keine weiteren Features.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Gut geschützte Bedienelemente
  • Möglichkeit zur Farbcodierung
  • Für Gesang/Stimme optimiertes Frequenzbild
  • Immens lange Betriebsdauer des Senders möglich
  • True Diversity-Empfang
  • Quick Scan-Funktion
  • Einfache Bedienbarkeit
  • Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis

  • Handgeräusche werden wahrnehmbar übertragen

Gehört zu dieser Serie

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