Bass
Test
7
06.06.2018

Praxis

Als ich im Vorfeld des Tests auf dem Specs-Sheet des V3 den Mahagoni-Korpus entdeckte, hatte ich sofort den Verdacht, dass ich es sicher mit etwas "Übergewicht" zu tun bekommen würde. Schließlich ist Mahagoni ein auffallend dichtes Hartholz. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall: der Viersaiter wiegt nur 3,9 kg, der Fünfsaiter 4,1 kg. Damit sind diese Bass-Brüder die leichtesten Kandidaten, die ich bisher von Sire testen durfte! Diese erfreuliche Nachricht hat aber an anderer Stelle wieder ihren Preis, denn beide neigen zur Kopflastigkeit. Diese Eigenart findet sich aber konstruktionsbedingt bei nahezu jedem Jazz Bass - auch bei deutlich teureren Exemplaren. Und: Am Gurt hängend fällt die Kopflastigkeit wirklich kaum mehr ins Gewicht!

Das Halsprofil des Fünfsaiters würde ich als "D" bezeichnen, der Viersaiter hat eine Tendenz zum "C". Die Saitenlage wurde ab Werk sehr komfortabel und die beiden V3s lassen sich über das ganze Griffbrett nahezu ohne Nebengeräusche bespielen. Insgesamt haben wir es mit der vertrauten und allseits beliebten Haptik typischer Jazz-Bässe zu tun - hier wird man an keiner Stelle unangenehm überrascht!

Im rein akustischen Test offenbart sich bereits das in den Mitten sehr präsente und charakterstarke Mahagoni. Der akustische Ton besitzt eine solide Substanz und ist über das ganze Griffbrett hinweg sehr ausgewogen. Die V3s sind sicher keine Meister der Transparenz, der Auflösung und des Sustains, aber verlangt das wirklich jemand in dieser Preisklasse? Gemessen am Preis ist es vielmehr absolut erstaunlich, mit was die V3s aufwarten. Für die alltägliche Groovearbeit in einer Band eignen sie sich ohne Frage hervorragend. Und nicht vergessen: Mit besseren Saiten ist natürlich noch ein deutliches Upgrade zu erwarten!

Beginnen wir für die Klangbeispiele im Passiv-Modus: die ersten Beispiele sind ein Finger- und ein Slapgroove mit beiden Tonabnehmer und geöffneter Höhenblende:

Hier hört ihr den Bridge-Pickup alleine; die Höhenblende ist zu 50% geschlossen:

Nun der Hals-Tonabnehmer mit komplett geschlossener Tonblende:

Aktiviert man per Kippschalter die Heritage 3-Band Elektronik, so ergeben sich zahlreiche Optionen, den Sound noch den eigenen Wünsche entsprechend zu optimieren. Hier noch einmal die beiden ersten Grooves mit beiden Pickups und etwas Equalizer:

Bei diesem Groove mit beiden Pickups kommen alle drei Bänder zum Einsatz. Außerdem möchte ich hier auch einmal die tiefe Saite des Fünfsaiters featuren, damit ihr einen guten Eindruck von ihrem Sound bekommt:

Für diesen Reggae habe ich den Equalizer extremer genutzt. Auch hier kam die tiefe Saite des Fünfers zum Einsatz:

Für mich wird schnell klar: Auch die beiden V3s liefern das, was man sich von einem Jazz Bass erhofft. Und das aufgrund der Mahagoni-Bodies sogar mit einem eigenständigen Charakter im Mittenbereich. Für meine Ohren empfehlen sich die beiden deshalb vor allem für Fingerstyle-Spieler. Der Ton an sich ist natürlich nicht so kultiviert und definiert wie bei der V9-Serie mit Ebenholz-Griffbrett. Auch bei der B-Saite des Fünfsaiters muss man mit kleinen Abstrichen rechnen. Aber immerhin: der V3 kostet ja auch weniger als die Hälfte des V9! Mit neuen und guten Saiten schließt sich diese Lücke sicher noch etwas weiter. An Flexibilität steht er seinen größeren Brüdern dank der identischen Elektronik in nichts nach.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • authentische Jazz-Bass-Sounds
  • hohe Flexibilität in Verbindung mit Elektronik
  • tolle Verarbeitung
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • eigener, leicht mittenbetonter Charakter aufgrund der Mahagoni-Bodies
  • geringes Gewicht

  • mitdrehende Doppelstock-Potis
  • Werkssaiten nicht sehr hochwertig

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