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Test
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12.03.2020

Softube Chandler Germanium Compressor Test

Kompressor-Plugin

Dirty Co(m)p

Germanium ist nicht etwa der Albumtitel des neusten Rammstein-Albums, sondern ein erstmals in Deutschland entdeckter Halbleiter. Vor allem in den allerersten Feldeffekttransistoren (FET) fand er Verwendung, bevor er durch das Silizium fast vollständig abgelöst wurde. 

Vintage-Kisten von Neve, Telefunken und auch die EMI nutzten solche Germanium-Transistoren, allerdings höchstwahrscheinlich aus rein pragmatischen Gründen, da sie eben dem damals üblichen Angebot entsprachen. Hersteller dieser Post-Tube-Ära, insbesondere Neve, sagt man aber generell einen besonders smoothen, warmen und organischen Sound nach. Und wo sonst als in der Audiobranche nutzt man gern „überholte“ Materialien, weil sie „anders“ klingen?

Chandler Limited vollführte nun diese Renaissance und ist dennoch keine Esoterik-Bude, weil eben auch viele andere Designentscheidungen zum typischen Klang der puristischen Schaltungen von Wade Goeke beitragen – aber sind wir mal ehrlich, selbst ausgesprochen klingt „Germanium“ einfach geiler als JFET. Und wenn ich so weiter drüber nachdenke, versprüht selbst die Phonetik von „Chandler“, „Abbey Road“ und „EMI TG“ eine gewisse Erotik – und letztere hat Wade mit seinen Designs auch wieder aufleben lassen.

Besonders bekannt sind dabei die HE-Monster Zener Limiter (EMI TG12413) und Curve Bender (EMI TG12345). Beide gibt es seit einer Weile für die UAD-2 Plattform und bei beiden hat Softube mitgeholfen, sie zu modeln – bevor sie den Curve Bender auch native herausbrachten. Nun ist Softube ein Alleingang gelungen – und somit gibt es ab sofort den Chandler Germanium Compressor als Native-Plugin… und im folgenden Test!

Details

Matched Germanium-FET als Plugin

Der Chandler Limited Germanium Compressor ist eine eigenständige Entwicklung von Wade Goeke und kein EMI Nachbau wie der bekannte Zener Limiter oder Curve Bender. Es handelt sich hier um einen linkbaren Class-A FET Monokompressor auf einer HE und 19 Zoll, der auch gern als „Matched Pair“ für Stereo-Anwendungen verkauft wird. Und genau das Ganze hat Softube gemodelt – inklusive typischem „Germanium FET Sound“ versteht sich.

Das Plugin ist nativ für OSX und Windows sowie für die 64-Bit Formate VST, VST3, AU und AAX erhältlich und auch in Console 1 nutzbar. Außerdem hat das Plugin zusätzliche Funktionen spendiert bekommen, die das Leben mit Software einfacher gestalten. Dazu gehören ein M/S-Mode, der External-Sidechain inklusive Sidechain-Gain sowie ein „Unlink“ und der „digitale“ globale Output-Gain.

Ansonsten orientiert sich das Design gänzlich am Original: Input (als Threshold nutzbar), Ratio (1:1 bis 11:1) sowie frei einstellbare Attak- und Release-Zeiten gehören zum guten Ton. Hinzu kommen ein Sidechain(-Filter) (Off, 30 Hz, 60 Hz, 90 Hz, 150 Hz und 300 Hz) sowie ein Mix-Regler (Dry/Wet). 

Rectifie this!

An sich also ein recht klassisches Design, wenn da nicht die vielfältigen Rectifier-Modes aka Comp Curve wäre, die aus verschiedenen Gleichrichter-Designs des Sidechains resultieren und sich damit durch unterschiedliches zeitliches Regelverhalten und Knees klanglich voneinader differenzieren – ähnliches kenne ich auch von meinem SPL Iron Compressor sowie der Plugin-Variante von Plugin Alliance, aber das nur am Rande.

Die verfügbaren „Flavours“ umfassen: R Soft, Germanium Soft, Germanium Medium, Silicone Medium, Silicone Hard und Zener Hard. Grob gesagt wird mit jedem Mode, im Uhrzeigersinn gedreht, das Knie deutlich härter. Klanglich ändert sich allerdings nicht, denn die Rectifier sitzen ja im Sidechain – und nicht im Signalweg selbst.

German Drive

Schlussendlich läuft alles in die finale Ausgangsstufe, die man auch härter anfahren kann, um mehr DRIVE zu provozieren. Außerdem lässt sich das Feedback der Gainstage einstellen, um so eine noch stärkere Färbung zu erhalten. Sprich: mehr Gain, mehr Distortion sowie mehr Tiefen/Mitten zu „Ungunsten“ der Höhen. In der Hardwarewelt quält man damit vor allem Nachfolgegeräte – hier sollte man nach dem Übertreiben mit dem "digitalen" Plugin-Gain dementsprechend wieder zurückrudern.

Last but not least gibt es einen weiteren Umschalter, der neben dem VU-Meter beheimatet ist, zwischen „CLEAN Comp“ und „DIRTY Comp“ unterscheidet und nochmals minimal das THD-Verhalten beeinflusst.

Und nun auf in die Praxis, hören, was das Alles bring!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • deutlicher „analoger“ Charakter
  • flexible Charakteristiken
  • gute Bedienbarkeit
  • Plugin-Extras

  • kein Contra

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