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Test
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06.05.2019

Spitfire Audio Studio Woodwinds Professional Test

Kontakt-Library

Holz in seiner schönsten Form

Spitfire Audio schmiedet nun bereits seit über zehn Jahren edle Samples miteiner feinen Prise Dreck im Sound inklusive. Gegründet hat sich die Company aus London 2007 und ist inzwischen zu einem der führenden Hersteller für Sample-Libraries avanciert. Spezialisiert hat sich das Unternehmen auf orchestrale Sounds. Dass Spitfire von Komponisten gegründet wurde, merkt man den Produkten durchaus an: Umfangreiche Bearbeitungsfunktionen, ein großes Artikulationsangebot und eine exzellente Aufnahmeumgebung zeichnen sämtliche Libraries aus.  All diese Features treffen auch auf die frisch herausgebrachte „Studio Woodwinds Professional“-Library zu, die alle gängigen Holzbläser beinhaltet.

Was die Library genau kann, was sie auszeichnet, was sie von anderen Libraries mit ähnlichem Programm unterscheidet und wie sie klingt, das haben wir für euch getestet.

Details

Download und Installation

Das Prozedere für Download und Installation ist hier wie so ziemlich überall: der Download erfolgt über die hauseigene Spitfire-App. Nach dem Einloggen steht der Download bereit. Das sind bei den Woodwinds ca. 102 GB, es dauert also etwas. Danach wird die Library per Seriennummer in „Native Access“ für Kontakt aktiviert und schon kann es losgehen.

Die Instrumente

Die Woodwinds zu öffnen, sorgt schlagartig für gute Laune: 15 Instrumente wurden für die Library aufgenommen. Das ist eine ganze Menge, Spitfire meint es offensichtlich ernst. Gestärkt wird dieser Eindruck von der Instrumentenauswahl. Dass es Flöten, Oboen, Klarinetten und Fagotte gibt, ist erst einmal selbstverständlich, was sollte es sonst geben? Auch dass es diese vier Instrumente in Fassungen à 3 gibt, ist nicht so außergewöhnlich, aber allein die hier vertretene Altflöte gehört schon nicht mehr überall zum Standard.  Eine Bassflöte habe ich bis jetzt überhaupt noch nirgendwo anders gefunden und eine Kontrabassklarinette erst recht nicht. Neben dem üblichen Programm – Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, jeweils solo und á 3 – wären also die selten vorkommenden Instrumente zu vermerken. Das sind die Altflöte, die Bassflöte, das English Horn, die Bassklarinette, die Kontrabassklarinette und das Kontrafagott – fett!

Die Basiskontaktinstrumente bieten einen soliden Grundstock an Artikulationen. Das vollständige Angebot findet sich dann in den Ordnern Core-Techniques und Decorative-Techniques. Wobei der Decorative-Ordner seltsam leer ist und zumeist Artikulationen enthält, die auch im Core-Technique-Ordner zu finden sind. Wie dem auch sei, was sofort positiv auffällt, insbesondere, da ich es an dieser Stelle für gewöhnlich bemängele, ist ein einheitliches Artikulationsangebot aller Instrumente! Endlich können alle alles, von instrumentenspezifischen Artikulationen mal abgesehen (Flatterzunge geht bei Oboen halt einfach nicht). Außerdem zu haben: Ordner, in denen sich sämtliche Artikulationen als Einzelpatches befinden, ein Ordner mit je einem Legatopatch pro Instrument und ein weiterer Ordner mit Patches die inhaltlich nichts Neues bringen, sondern wahlweise RAM oder CPU sparen. Außerdem sind dort sämtliche kurze Artikulationen enthalten, mit denen das Ergebnis per Time-Machine tempomäßig gerade gerückt werden kann.

Das Artikulationsfenster

Das Artikulationsfenster gestaltet sich zum Glück ziemlich übersichtlich, denn das Layout des Library-Fensters ist, wie bei Spitfire leider üblich, ausgesprochen klein. Neben den Artikulationen, die grafisch dargestellt sind, gibt es noch die gängigen Regler für Dynamics, Vibrato, Release, Tightness und Expression. Zudem gibt es einen Fader, mit dem sich stufenlos zwischen verschiedenen Mikrofonpositionen von Far bis Close wechseln lässt.

Das Controls-Fenster

Ein Klick auf den Schraubendreher links oben im Artikulationsfenster – und ich befinde mich im Controls-Fenster. Hier geht eine ganze Menge: Die einzelnen Mikrofonsignale (stolze sechs an der Zahl!) lassen sich individuell mischen, während ihre Stereoweite und das Panning super bearbeitet werden kann und verschiedene Velocity-Kurven angewählt werden können. Ich kann außerdem zwischen mehreren Artikulations-Presets auswählen, um so ggf. RAM zu sparen. Auch das Round-Robin-Verhalten kann gesteuert werden. Das bezieht sich sowohl auf die Anzahl der zur Verfügung stehenden Round-Robins als auch auf die Möglichkeit, 2 Round-Robin-Samples simultan auf verschiedene Art abspielen zu lassen. Bearbeitungs- und steuerungstechnisch geht also einiges, was der Lebendigkeit der Produktion bestimmt sehr gut tun wird, doch dazu später mehr.

Das Ostinatum-Fenster

Mit dem Ostinatum lassen sich rhythmische Patterns kreieren. Logischerweise funktioniert das am besten mit kurzen Artikulationen, daher geht das Fenster auch nur auf, wenn man vorher eine kurze Artikulation anwählt. Nutzen kann man das Ostinatum wahlweise als Inspirationswundertüte, oder um Patterns gezielt zu designen. Bis zu acht verschiedene Patterns kann man erstellen, zwischen denen sich jeweils switchen lässt. In seiner Funktion einem Arpeggiator nicht ganz unähnlich, ist das Ostinatum zwar keine komplett neue Idee, aber wenn Spitfire so etwas in sein Repertoire aufnimmt, dann vermutlich, weil es für neuartige Effekte und ungehörte Klanglandschaften sorgt. Und mit dieser Hoffnung im Hinterkopf begebe ich mich gespannt und vorfreudig zum Praxisteil.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Umfangreiches Instrumentenangebot inklusive ungewöhnlicher Kandidaten wie z. B. Kontrabassklarinette und Bassflöte
  • Viele und einheitliche Artikulationen
  • Einfache Handhabung
  • Detaillierte Bearbeitungsmöglichkeiten
  • Exzellenter und schlanker Klang
  • Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

  • kein Contra

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