Bass Hersteller_Tech21
Test
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11.10.2016

Tech 21 Bass Fly Rig Test

Multi-Effektleiste für Bass

Das Schweizer Taschenmesser für Bassisten?

Die New Yorker Company Tech 21 konnte sich mit ihren Sansamp Röhren-Emulationen einen hervorragenden Ruf in der Branche erarbeiten. Nahezu jeder Bassist hatte in seiner Laufbahn wohl schon einen der praktischen Sansamp-Preamps im Bodentreterformat in Verwendung oder sogar fest auf seinem Pedalboard installiert. In den letzten Jahren hat Tech21 sein Angebot für Tieftöner stetig erweitert und bietet inzwischen Effektpedale, Rack-Preamps und Bass-Stacks in den unterschiedlichsten Ausführungen an.

Für ihren neuesten Wurf, das Bass Fly Rig, hat die Company ihren populären Sansamp-Preamp einfach mit den beliebtesten Basseffekten kombiniert und das kompakte Multifunktions-Pedal schließlich mit einem DI-Ausgang für den unkomplizierten Einsatz im Studio oder auf der Bühne ausgestattet - et voilà: fertig ist das Schweizer Taschenmesser für den vielseitigen Bassisten!

Details

Als ich das Bass Fly Rig aus dem Karton geschält hatte, war ich in der Tat vom kompakten Format des Pedals überrascht, denn schließlich vereint es eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen und die entsprechenden Regler und Switches in einem Gehäuse. Das Metallgehäuse misst gerade mal 31,7 x 6,3 x 3,1 cm und verschwindet damit bequem in der Fronttasche der Gigbag oder im Zubehörfach des Basskoffers. Trotz der kompakten Bauform wirkt das Pedal absolut stabil, hochwertig und roadtauglich - bei normalem Gebrauch wird man sicherlich lange Freude mit dem Gerät haben!

Das Setup ist denkbar einfach und selbsterklärend, denn das Bass Fly Rig bietet lediglich zwei Klinkenanschlüsse und eine symmetrische XLR-Buchse. Die beiden Klinken sitzen auf der Rückseite des Pedals und tragen die Bezeichnungen IN und OUT - klar, in die IN-Buchse wird natürlich der Bass gestöpselt, die OUT-Buchse leitet das Signal zum Amp weiter und funktioniert darüber hinaus auch als Kopfhöreranschluss.

Der Kopfhörerbetrieb muss mit einem kleinen Schalter auf der Front aktiviert werden - das Signal wird dann stärker und auf beide Seiten des Hörers gelegt. Die Empfindlichkeit der Eingangsklinke kann außerdem mit einem PAD-Schalter um -10dB abgesenkt werden, damit das Pedal auch mit aktiven Bässen klarkommen.

Auf der Rückseite sitzt auch der Anschluss für ein 9V-Netzteil, welches Tech 21 lobenswerterweise gleich mitliefert. Mit Batterien kann das Bass Fly Rig nicht betrieben werden, was bei einem Stromverbrauch von 100mA aber auch keinen Sinn machen würde. Den symmetrischen XLR Ausgang (mit Groundlift-Schalter) zum Aufnehmen im Studio oder für die Weiterleitung des Signals an ein Mischpult hat Tech21 schließlich an die linke Seite des Pedals positioniert.

Damit sind wir mit den Anschlüssen schon durch und kommen zu den vielfältigen Sound- und Effekt-Features, die allesamt mit kleinen Reglern und Schaltern auf der Oberseite des Pedals bedient werden. Das Herz und die Klangzentrale des Bass FlyRig - den Sansamp-Preamp - haben die Ingenieure von Tech21 dabei mittig auf der Front platziert. Unter den Reglern verbirgt sich die VT-Bass-Schaltung, die viele Bassisten schon vom VT-Bass DI-Pedal oder von der erweiterten Rackversion kennen.

Dementsprechend wurde die Sansamp-Sektion im Bass Fly Rig auch mit dem gleichen Regler-Set ausgestattet, lediglich der Blend-Regler der VT-Bass-Geräte wurde eingespart. Von links nach rechts finden wir einen Drive-Regler für den Gain-Pegel und den Zerrgrad, den Character-Regler für die verschiedenen Klangvarianten der Röhrensimulation, einen Dreiband-Equalizer mit Regler für Höhen, Mitten und Bässe und zu guter Letzt den Level-Regler für die Endlautstärke des Pedals.

Die transparenten Regler auf dem Bass Fly Rig wurden übrigens mit LEDs versehen und leuchten, wenn die entsprechende Einheit mit dem Fußtaster eingeschaltet wird - im Bühnenbetrieb erkennt man so auf den ersten Blick, welche Sektion gerade aktiv ist. Unter den kleinen Sansamp-Reglern sitzt der VT-Bass-typische Bite-Taster, mit dem sich der Höhenbereich für einen transparenteren Sound boosten lässt.

Links neben dem Sansamp parkt die vollgepackte Effektsektion des Bass Fly Rig: Chorus, Oktaver, Fuzz und Filter stehen auf der Basseffekthitliste auf den vorderen Rängen - Tech 21 hat deshalb exakt diese Auswahl für das Bass Fly Rig in eine einzige Effektsektion kondensiert. Für den Chorus der Effektsektion stehen ein Depth-Regler und der Bypass-Fußtaster zur Verfügung; die Ausstattung für den beliebten Modulationseffekt fällt also extrem spartanisch aus.

Der Fußtaster rechts daneben aktiviert den Octa-Filter, und mit einem kleinen Schalter kann man zusätzlich den Octaver und eine Fuzz-Verzerrung dazuschalten. Der Klang des Filters wird mit dem Range-Regler (Frequenzspektrum des dynamischen Filters) und dem Q-Regler (Bandbreite des Filters) angepasst. Mit einem Mix-Regler kann dem gesamten Effektsound schließlich das saubere Basssignal beigemischt werden. Für sage und schreibe vier verschiedene Effekte stehen also lediglich ein paar wenige Regler für die Justierung zu Verfügung. Da bin ich wirklich gespannt, wie das in der Praxis funktioniert, mehr dazu später.

An den Anfang der Signalkette hat Tech 21 einen FET-Kompressor geschaltet, der mit einem Fußtaster aktiviert wird und immerhin drei Regler zur Anpassung bietet. Der Comp-Regler bestimmt die Stärke der Kompression, mit dem Tone-Regler kann bei einem etwaigen Höhenverlust durch die Kompression der obere Bereich um 2-3 kHz geboostet werden, und der Level-Regler ist für die Endlautstärke der Kompressor-Einheit zuständig.

Um noch mehr Sounds und Funktionalität aus dem Bass Fly Rig zu quetschen, wurde dem Pedal eine zusätzliche Boost-Sektion spendiert. Der Boost wird mit einem eigenen Fußtaster eingeschaltet und kann mit einem Regler auf bis zu 10dB justiert werden. Der Pre/Post-Schalter entscheidet dabei über die Wirkung des Boost - ein Pre-Boost bläst das Signal vor dem Sansamp auf und kann für stärkere Overdrives eingesetzt werden, der Post-Boost wirkt nach dem Sansamp und vor dem Chorus für eine generelle Lautstärkenanhebung bei Solos oder bestimmten Sounds.

Im nachfolgenden Diagramm könnt ihr den Signalverlauf beim Bass Fly Rig sehen:

Und fast hätte ich es vergessen: Das Bass Fly Rig hat als amtliche Allzweckwaffe für den Bassisten natürlich auch ein Stimmgerät mit an Bord. Der chromatische Tuner wird mit einem langen Tritt auf den Chorus-Fußschalter aktiviert, gleichzeitig wird das Signal an den Ausgängen stummgeschaltet. Auf einem kleinen Display kann dann die Tonhöhe abgelesen werden, kleine rote Pfeile signalisieren die benötigte Stimmrichtung, und die grüne LED leuchtet auf, sobald der Ton korrekt ist.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • überzeugende Röhrensimulationen mit Sansamp VT-Preamp
  • nebengeräuscharme Arbeitsweise
  • transportfreundlich
  • Onboard-Stimmgerät
  • Guter Chorus-Sound
  • zahlreiche Effekte für experimentellere Sounds
  • Silent Touch-Fußschalter
  • Buffered Bypass
  • solide Konstruktion, gute Verarbeitung

  • Einstellungen durch kleine Regler und kurze Reglerwege zum Teil mühsam
  • Octaver und Fuzz liefern alleine keine überzeugenden Ergebnisse
  • Preis an der Obergrenze

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