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22.03.2020

Toontrack The Rooms of Hansa SDX Test

Erweiterung für Superior Drummer 3

Drumsamples made in Germany

Das Toontrack-Team hat schon die halbe Welt bereist, um Drum-Samples in großen und teils geschichtsträchtigen Tonstudios aufzunehmen. Zum Recording der Rooms of Hansa SDX für den Superior Drummer 3 hat es die Schweden nun auch einmal nach Deutschland verschlagen.

Die Library wurde von Producer/Engineer Michael Ilbert in den durchaus als legendär zu bezeichnenden Hansa Studios in Berlin aufgenommen, gliedert sich in vier relativ gleichwertige Parts und bietet somit erstmals Drum-Samples aus vier verschiedenen Aufnahmeräumen eines Studios. Ob sich die Investition in das Add-On lohnt, klären wir in unserem Review!

Details

Vier Räume und vier Libraries

Die Rooms of Hansa SDX ist die mittlerweile 16. Erweiterung für den Superior Drummer und gehört mit ihrem Umfang von etwa 120 GB zu den Größten ihrer Art. In Hinblick auf das reine Datenvolumen wird die Library nur von der zuletzt veröffentlichten und konkret auf Metal zugeschnittenen Death & Darkness SDX und natürlich von der standardmäßig enthaltenen Core-Library in den Schatten gestellt.

Das Konzept, mehrere Aufnahmeräume eines Studios über Drum-Samples verfügbar zu machen, gab es bei Toontrack in dieser ausgewachsenen Form bisher nicht. Bei der von Bob Rock aufgenommenen Rock Foundry SDX findet sich zwar ein ähnlicher Ansatz, allerdings ist das dort zusätzlich enthaltene Mono-Kit aus einem Nebenraum des Studios mehr als eine kleine Zugabe zu verstehen. Die Rooms of Hansa SDX kommt dagegen in Form von vier schlanken aber durchaus vollwertigen SDX-Libraries. Am Rande bemerkt: Dass Toontrack dem bisherigen Konzept treu bleibt und eine klare Trennung zwischen Samples macht, die in unterschiedlichen Räumen und über unterschiedliche Mikrofonierungen aufgenommen wurden, ist im Sinne eines realistischen Ergebnisses und klanglicher Geschlossenheit extrem sinnvoll

Facts zu Studio und Team

Die Hansa Studios sind in Berlin-Kreuzberg, nicht weit vom Potsdamer Platz zu finden und wurden mit ihrem großen Meistersaal zu Zeiten der Berliner Mauer gerne als „The Big Hall By The Wall“ bezeichnet. David Bowie schrieb hier den Song „Heroes“, Marillion nahmen das Album „Misplaced Childhood“ auf, und auch Nick Cave, U2, REM, Depeche Mode und Iggy Pop nutzten die Räumlichkeiten und Technik des Studios, um ihren Teil zur internationalen Musikgeschichte beizutragen. Neben dem Meistersaal sind ein Live-Room mit lebendiger Akustik, der mit Marmor verkleidete Marble-Room sowie eine kleinere Vocal-Booth an eine gemeinsame Regie angeschlossen, in der als Herz der Studiotechnik ein SSL 4000 E Pult mit 56 Kanälen steht. 

Der Schwedische Producer/Engineer Michael Ilbert ist seit längerem dauerhafter Mieter des Hansa Mixroom und arbeitet von dort aus mit internationalen Acts zusammen. Für seine Arbeit mit Adele (Album: „25“) und Taylor Swift (Album: „1989“) konnte er jeweils einen Grammy einfahren. Allgemein zeigt er sich als eine musikalisch ausgesprochen vielseitige Persönlichkeit. Seine weitere Klientenliste schließt neben Pink und Katy Perry auch Bands wie Muse, The Hives, Travis oder In Flames ein, aber auch mit vielen deutschen Künstlern hat er zusammengearbeitet – unter anderem auch mit Juli, Bosse und Selig.

Als Schlagzeuger wurde Norman Garschke verdingt, der regulär für Toontrack arbeitet und auch schon die Samples der Core-Library des Superior Drummer 3, der Decades SDX sowie mehrere MIDI-Packs eintrommelte. Er war auch im Fall der Rooms of Hansa SDX nicht nur am Sampling beteiligt, sondern spielte auch die vielfältige Groove-Library ein, die mit ihren über 400 Grooves und Fills im Gegensatz zu den anderen SDX-Libraries der jüngeren Generation erfreulich umfangreich ausfällt. Die Audio-Beispiele dieses Artikels wurden unter minimalem Editing mit den enthaltenen Grooves erstellt. Natürlich lassen sich aber wie immer auch Grooves aus der Core-Library und anderen Erweiterungen verwenden.

Meistersaal, Live-Room, Marble-Room und Vocal-Booth

In den vier Räumen der Hansa Studios wurden sechs komplette Drumsets mit vielerlei Extras aufgenommen. Die einzelnen, in sich geschlossenen Parts der Rooms of Hansa SDX bieten jeweils ein oder zwei vollständige Kits und einen Beckensatz mit je einem Becken pro Slot. Die Kombinationsmöglichkeiten sind also nicht so uferlos, wie man des von den bisherigen SDX-Libraries gewohnt ist. Im Gegenzug erhält man aber natürlich vier solcher schlanker Libraries zum Preis von einer.

Auch wenn die Auswahl der gesampelten Instrumente pro Library-Part also nicht groß ist, fällt sie doch angenehm ungewöhnlich aus. Die Library verzichtet weitgehend auf die üblichen Verdächtigen von DW, Yamaha oder Gretsch und bietet stattdessen einige, zum Teil sehr spezielle Custom-Drums von weniger etablierten Herstellern – unter anderem von Sugar Percussion, Wahan und Udo Masshoff. Tatsächlich handelt es sich hier um die erste Erweiterung für den Superior Drummer, die KEINE Snare von Ludwig im Gepäck hat. Aber nicht nur der Klang der Instrumente und der unterschiedlichen Räume, sondern auch die pro Raum variierenden Recording-Setups wirken sich massiv auf die einzelnen Parts der Library aus. Alle folgenden Audio-Beispiele dieses Abschnitts wurden mit den einfachen Kit-Presets und ohne weitere Effekt-Bearbeitung erzeugt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • große klangliche Vielfalt durch vier separate Aufnahmeräume/Libraries
Samples von teils sehr ungewöhnlichen Custom-Drums
  • 
viele Presets

  • viele Mixer-Channels (v.a. Meistersaal)
  • 
vielfältige und umfangreiche Groove-Library

  • ultra-trockene Samples aus der Vocal-Booth


  • pro Aufnahmeraum geringe Kombinationsmöglichkeiten für Instrumente

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