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21.07.2020

Top 5 Wavetable Soft-Synths 2020

Die besten Software-Syntheszier mit Wavetable-Engine

Instrument-Plugins auf Wellenfahrt!

Seit rund vier Jahrzehnten begeistert die Wavetable-Synthese etliche Sounddesigner, Musiker und Produzenten. Sie schreibt Geschichte und ist heute aktueller denn je zuvor. Mit dem Synthesizer PPG Wave 2, einem luxuriösen Tastatur-Synthesizer von Wolfgang Palm, startete sie in den frühen 1980er Jahren so erfolgreich wie exklusiv. Ein besonderes Merkmal: Sie bietet eine Mixtur aus digitalen Oszillatoren, die Wavetables mit vielen einzelnen Wellenformen enthalten, und einer klassischen Filtersektion. Bei der Wavetable-Synthese wird also die einfache Architektur eines Analog-Synthesizers (subtraktive Synthese) mit dem praktischen Vorteil erweitert, schnell und einfach verschiedene Klangspektren zu erzeugen. Aus diesem Grund hat sie auch ihren festen Platz in den Top 5 der beliebtesten Syntheseformen.

Die Zeiten ändern sich. Zwischen einem PPG Wave 2 und den heutigen Wavetable-Synthesizern, die als Plugin in der DAW laufen, sind klare Unterschiede zu sehen. Die heutigen Software-Produkte sind finanziell attraktiv, klanglich samt Effekten und Arpeggiator sehr flexibel, einfach per Maus auf einem riesigen Bildschirm zu bedienen und warten teilweise noch mit Extras wie dem Import eigener Audiodaten auf, die sich als Wavetables nutzen lassen. Man könnte meinen: Die Wavetable-Synthese ist in Form der Software-Synthesizer endlich bezahlbar geworden und bis ins Detail kreativ zu erschließen. Schon das typische „Wave-Morphing“, das Durchfahren eines Wavetables per LFO, Modulationsrad oder Hüllkurve mit dem Ergebnis fließender spektraler Veränderungen, ist purer Spaß.

Details

Das Angebot an Software-Synthesizern war noch nie so groß wie heute und auch der Markt an aktuell verfügbaren Hardware-Synthies sind nicht so groß wie für Software. Wir zeigen euch die fünf besten Wavetable-Synthesizer zwischen 150 und 200 Euro. Die Klangbeispiele geben euch einen Eindruck der klanglichen Eigenschaften.

Natürlich gibt es noch weitere tolle Synthesizer, bei denen du Wellensätze durchfahren kannst: Tone2 Icarus, Wolfgang Palms WaveGenerator und auch DAWs wie Logic, Cubase und Live bringen ihren eigenen Wavetable-Synthesizer mit. Für den kostengünstigen Start empfehlen sich iOS-Apps wie etwa der Scythe Synthesizer zum Preis eines Cappuccinos. Bei den Software-Synthesizern für Mac und Windows ist der Wave Codex ein Schnapper. Es geht aber noch wertiger, wenn man etwas mehr Geld in die Hand nimmt.

#1: Xfer Records Serum – der EDM-Spezialist

Er ist seit einigen Jahren der Liebling vieler Produzenten: Serum von Xfer Records. Auf den Punkt gebracht bietet er einen sehr transparenten, erhabenen und wandlungsfähigen Sound für die allermeisten Spielarten elektronischer Musik. Seine Presets klingen im Vergleich zu den anderen Wavetable-Synthesizern am trendigsten.

Natürlich ist für EDM und speziell auch für Complextro und Dubstep viel Soundfutter vorhanden. Gerade auch bei Sounds ohne lange Wellenfahrten ist er klasse, wie die knarzenden und modulativen Bässe der über 450 Factory Presets sehr gut beweisen. Über 140 Wellensätze reichen nicht? Man kann mit Serum eigene Wavetables erstellen, importieren sowie natürlich umfangreich bearbeiten und modulieren. Das GUI ist einladend fürs eigene Sounddesign, der größere CPU-Hunger ist durchaus zu verkraften.

Xfer Records Serum steht so hoch und stabil im Kurs, dass es kaum lohnt, auf günstige Sales zu warten. Der Synthesizer ist auch bei den Preset-Designern enorm beliebt. Man bekommt ein riesiges Angebot an trendorientierten Sound Packs. Bereits auf der Herstellerseite finden sich viele kommerzielle Sets. Wie man den Serum eigenhändig programmieren kann, zeigt der Artikel Sounddesign mit Xfer Records Serum.

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.8

Formate: AU, VST, AAX

#2: Arturia Pigments 2 – Wavetable trifft Granular

Die französische Firma Arturia ist bekannt für "Plagiate" namhafter Vintage-Synthesizer. Mit Pigments 2 gehen die Franzosen ihren eigenen Weg. Er klingt mit seiner Wavetable- und Granular-Synthese anders als etwa Xferum Serum und präsentiert sich mit seiner visuell sehr ansprechenden und skalierbaren Benutzeroberfläche dem kreativen Anwender auf drei Seiten: Synth, Effekte und Sequencer.

Pigments bietet neben den Wavetables auch virtuell-analoge Synthese und eine Sample- und Granular-Engine. Nützlich sind die „Randomizers“ für kontrollierbare und schöne Überraschungen bei der Klangarbeit. Die Filter haben sich schon bei Arturia V-Collection bewährt. Für musikalische Inspiration steht ein Arpeggiator zur Hand. Der Sequencer erlaubt ausgefallene polyrhythmische Strukturen. Arturia Pigments ist auch eine vielseitige und ausdrucksstarke Klangquelle für Midi-Polyphonic-Expression-Controller wie Roli Seabord.

Beim Hersteller selbst gibt es eine sehr umfangreiche Library mit kommerziellen Sound-Sets für Pigments 2. Très bon – der Arturia Pigments ist ein charismatischer Synthesizer, der mehr kann als Wavetables wiederzugeben.

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.11.

Formate: AU, VST2.4, VST3, AAX und NKS.

#3: U-he Hive 2 – das Preset-Monster

Die Firma von Urs Heckmann hat natürlich auch einen Synthesizer mit Wavetable-Oszillatoren, den Hive 2. Bei ihm kommen zwei Oszillatoren mit Wavetables zur Sache. Eigene Wavetables können entweder als WAV-Datei oder in einem herstellerspezifischen Format (uhm) eingelesen werden. Für die Interpolation zwischen den Wellenformen sind vier unterschiedliche Algorithmen auswählbar.

Neben einem herkömmlichen Arpeggiator/Sequencer gibt es einen Shape Sequencer, der auf vier Ebenen für komplexe und rhythmische Modulationen sorgt. Hive 2 ist ein heißer Kandidat für den Preset-Konsum. Beachtlich ist seine riesige interne Bibliothek mit über 2000 Sounds. Insgesamt ist das Produkt von u-he eine sichere Investition in die Zukunft, denn die Berliner Firma ist bekannt für eine tolle Produktpflege, macht keinen Autorisations-Stress bei einem Systemwechsel und veröffentlicht regelmäßig Updates mit neuen Patches, die Hive noch vielseitiger werden lassen.

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.7 und für Linux

Formate: AU, VST2, VST3, AAX und NKS 

#4: Synapse Audio Dune 3 – von Ambient bis Trance

Synapse Audio bietet mit Dune 3 einen fantastisch klingenden Synthesizer, der sich mehr noch als die anderen vier Kandidaten vor allem in den softeren Gefilden bestens zeigt. Die ersten zwei der insgesamt drei Oszillatoren beherrschen VA, Wavetable- und FM-Synthese. Einer der Höhepunkte ist der Wavetable-Editor, mit dem sich neue Wellenformen per Maus frei zeichnen und komplette Wellensätze erstellen, exportieren und auch importieren lassen. Praktisch beim Arrangieren ist der Dual-Arpeggiator, der Midi-Daten einlesen kann. 

Das Handling ist angesichts der vielen klanglichen Möglichkeiten relativ einfach. Fette voluminöse Sounds sind mit achtfachem Unisono und nicht zuletzt mit der guten Effektsektion aus zwei Master-FX mit jeweils neun Effekten zu erreichen. Das Klangbild ist im Vergleich zu Dune 2, dessen Presets auch in der großen Bibliothek inkludiert sind, optimiert worden. Insbesondere für Ambient, Cinematic oder Trance ein großartiger Lieferant, der sich im Bonedo-Test zurecht die volle Punktzahl verdient.

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.11.

Formate: AU, VST2, AAX, NKS.

#5: Waldorf Nave – der PPG-Erbe

Klassische Wavetable-Synthese mit der DNA der PPG Wave-Synthesizer. Wer dem unverkennbaren Sound vieler Waldorf-Instrumente näherkommen möchte, entscheidet sich für den Nave. Bei seinen beiden Wavetable-Oszillatoren finden sich über 30 Wellensätze des PPG Wave. Im Unterschied zu den ersten vier Kandidaten unserer Top Five lassen sich bei Nave keine Audiodateien importieren, was aber beim Waldorf Quantum und Iridium möglich ist. Ein Sprachsynthesizer ist aber ein Pluspunkt für Nave, der die CPU erfreulich wenig beansprucht. Die Effektsektion ist zwar bezüglich Aufgebot und Klang eher durchschnittlich, aber der Gesamtklang überzeugt.

Nave ist auch relativ preiswert (ca. 22 Euro) als iOS-App fürs iPad zu bekommen und daten-kompatibel mit dem Plugin für Desktop-Rechner. Wer auf dem iPad und Desktop-PC produziert, wird dies schätzen. Bei der iOS-Version gefällt das Spielmanual aus Blades und Pads, die den Touchscreen sinnvoll nutzen. Nave bringt ein wenig Retro-Feel in den modernen Synthesizer und gefällt durch seine individuelle Klangnote.

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.9 und ab iOS 10.3 (Nave als iOS-App)

Formate: AU, VST2, VST3, AAX, NKS.

Fazit

Einen regelrechten Hype um die aktuellen Wavetabe-Synthesizer gibt es nicht. Letztlich sind es angenehm unspektakuläre Klangwerkzeuge für den täglichen Bedarf. Sie bereichern auf einfache Weise den täglichen Job mit Synthesizerklängen und sind gerade zu den sehr zahlreichen virtuell-analogen Software-Synthesizern eine willkommene Alternative. Mit einem der fünf vorgestellten Kandidaten wird die Musikproduktion sicherlich bunter und spannender. Wer nicht selber schrauben möchte, bekommt eine Menge an kommerzieller Soundware. Alles in allem eine runde Sache!

Veröffentlicht am 21.07.2020

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