Hersteller_NativeInstruments
Test
5
03.12.2012

Praxis

Funktion zwei: USB-Audio-Interface mit TSP-Zertifizierung
Das integrierte USB Audio-Interface arbeitet mit einer maximalen Samplingrate von 48 kHz und einer Auflösung von 24 Bit. USB-Out 1/2 wird direkt auf Master und Booth geleitet, also zu den XLR-Buchsen, Klinken und Cinch-Ausgängen sowie an den Kopfhörer (Cuemix-Regler Stellung Mix). USB-Out 3/4 geht auf den Kopfhörer (Cuemix-Regler Stellung Cue). USB-Eingang 1/2 ist das Mic/Aux-Signal, 3/4 der Phono/Line-Input von Kanal A, 5/6 der Phono/Line-Input von Kanal B. USB 7/8 greift den Master-Ausgang des Z2-Mixers ab und führt diesen für Aufnahmezwecke in den Rechner zurück. Der softwareseitige „External-Mixer-Mode“ lässt sich mit dem Z2 nicht verwenden.

Schallplatten können durch das Einschleifen in die Traktor Software (Live-Input) mit den integrierten Effekten bearbeitet werden, und zwar auf niedrigen Latenzeinstellungen. Zwar ist ein kurzer Audio-Dropout beim Schaltvorgang wahrnehmbar, wenn ich vom Thru-Modus direkt in den Live-Input wechsele, aber ich würde vor Publikum eh nicht im laufenden Track zwischen Live oder Thru umschalten. Der Wechsel zwischen „analog“ und „digital“ erfolgt natürlich auf den Fuß. Eine weitere Funktion, die sich aus dem Signalfluss ergebend mit dem Mixer erledigen lässt, ist die Digitalisierung von externen Audioquellen, oder sagen wir besser der Schallplattensammlung, so vorhanden. Warum aber nennt sich der Mixer 2+2 Mixer? - Wegen der beiden Aux-Gruppen an den Flanken, welche für die Kanäle drei und vier reserviert sind. Diese gelangen über einen Drehregler auf die Masterschiene. Zwar ließen sich hier grundsätzlich ein bis zwei zusätzliche Trackdecks einbinden, die Hauptverwendung werden jedoch die neuen Remix-Decks aus Traktor 2.5 sein. 

Ich halte fest: Das Audio-Interface klingt gut und arbeitet auf niedrigen Latenzen stabil. Auf meinen MacBook Pro aus 2009 Core2Duo mit acht GB RAM habe ich bei 128 Samples Puffer gemixt, was einer Latenz von 4,7 Millisekunden (2,7ms Processing, 2,0ms Output) entspricht und einen störfreien Betrieb ohne Dropouts oder Buffer-Probleme gewährleistete. Zudem ist es durch geschickte Soft- und Hardwareoperationen jederzeit möglich, zwischen Traktor-Decks, Plattenspieler und Live-Input umzuschalten. Dem kommt eine besondere Bedeutung bei einem DJ-Wechsel zu, da die drei Optionen für jedes Einzeldeck anwählbar sind. So kann der Traktor DJ seinen letzten Titel ausspielen, wohingegen der Vinylist schon mal die erste Scheibe auflegt. Wann es letztlich bei Native-Instruments auch einen zweiten USB-Port für das nachfolgende Notebook, respektive nahtlose Traktor DJ-Wechsel geben wird, steht noch in den Sternen. Vielleicht bei einem potenziellen Kontrol Z4 Clubmixer? 

Funktion drei: MIDI-Controller
Wie es sich für ein DJ-Handwerkszeug aus dem Hause Native Instruments gehört, finden sich auf der Oberfläche eine Vielzahl an Bedienelementen für ihren Vorzeige-Trecker ein. An den Flanken sitzen die Steuerelemente der Control- und FX-Sektion, die von der Navigation in der zentralen Mixer-Sektion unterstützt werden. „Shift“ ruft klassische die Zweitbelegungen auf. Zum Beispiel „Instant-Doubles“, „Instant-Filter“-, EQ-Cuts oder Tree-Browsing. Wird „Sync“ länger als eine Sekunde gedrückt, wird das Tempo des betreffenden Decks zurückgesetzt (interner Abspielmodus). Manuelles Tempo-Tapping erfolgt über Shift-Flux. Zudem sind zwei dedizierte Tasten verbaut, die zwischen dem relativen und internen Abspielmodus umschalten. Erster ist für das Nadel-Tracking der Steuerschallplatte interessant. Der Unterschied zum absoluten Modus: Im relativen Mode werden nur Geschwindigkeit und Richtung übertragen. Er findet bei Loops und Flux Anwendung. Im absoluten Modus kommt die tatsächliche Nadel-Position hinzu, sprich eine absolute Zeitinformation. Diese liefert das Timecode-Medium, hier in Version MK2. Es ist in drei Zonen unterteilt: Der Lead-In setzt den virtuellen Abspielkopf auf den Startpunkt des Musikstückes. Es folgt die Playback-Zone mit 10 Tracks auf Seite A und 15 auf Seite B. Dann folgt die Browse-Zone zum Navigieren innerhalb der Playliste. m DVS-Kontext besteht demnach also erstmal kein Bedarf nach weiterer harter Ware für die Basisoperationen einer DJ-Session. Im Übrigen schaltet Shift-Rel/Int das Deck in den internen Modus, wobei ein laufendes Deck gestoppt und ein gestopptes Deck eingestartet wird; Aha, da wären also auch die Play/Pause-Tasten. 

Am Kopf des Mixers sind drei Status-Tasten verbaut. Sie zeigen durch unterschiedliches Blinkverhalten potenzielle Fehler wie fehlgeschlagene Timecode-Kalibrierung, voller Samplepuffer, verlorene USB-Konnektivität und mehr an. Hierüber gibt das fast 100 Seiten starke Handbuch Auskunft. Es folgen die Tasten „Snap“ und „Quantize“ sowie der Einstellungs-Button (LED-Meter, etc.)

Auf den ersten Blick recht übersichtlich erscheinen die Effekt- und Loop-Sektion. Und das meine ich im Wortsinn, denn weder werde ich hier von zahlreichen Begrifflichkeiten, die es zu erlernen gilt, noch von Heerscharen an auf engstem Raum zusammengepferchten Steuerknöpfen erschlagen, durch die man sich mit seinen mitteleuropäischen Durchschnittsfingern einen gefahrlosen Weg bahnen müsste. Ich würde sogar behaupten wollen, dass hier ein höchst stimmiger Kompromiss zwischen Platz und Feature-Dichte gewählt wurde, das sowohl dem Vinyl-Veteranen, dem Um- als auch dem Einsteiger gerecht werden wird. Das beginnt mit dem Loop-Encoder, der nebenbei als Beatjumper und Cutter fungiert und dessen Loop-Längen sich in einem Display oberhalb des Kanals ablesen lassen. Bei den Effekten habe ich Zugriff auf das Mischungsverhältnis (Dry/ Wet) und kann zudem jeweils das einzelne Attribut des Gruppenmodus oder den dritten Parameter des Single-Mode Standardeffekts manipulieren.

Und dann sind da ja noch die neuen Multi-Layer-FX, genannt Macro-FX und die haben es in sich, denn so lassen sich gleich mehrere übereinandergelegte Effektprogramme mit einem Regler-Tweak schrauben. Anders als bei den regulären FX befindet sich die Nullstellung auf 12 Uhr und nicht auf links. Drehe ich nun nach rechts, hat dies ein anderes Verhalten des Effektes zur Folge, als bei einer Linksdrehung. Vielleicht kennt der eine oder andere dies von den Color-FX der jüngsten DJM-Generation, wo Hoch- oder Tiefpass-Filter zugeschaltet werden. Effekte können im Insert und Post-Fader-Modus operieren, wobei sie im ersten Fall vor dem Kanalfilter eingefügt werden, im zweiten Fall nach dem Channel-Fader, was bedeutet, dass sie auch nach geschlossenem Fader hörbar bleiben. Das wurde auch Zeit. Schade nur, dass es aktuell noch keinen Macro-FX-Builder gibt und der DJ daher nur Factory-Presets zur Verfügung hat. Ich würde mich jedoch nicht wundern, wenn in naher Zukunft weitere Effekte (ob kostenpflichtig oder nicht werden wir noch sehen) aus eigenem Hause Einzug halten. Maschine und Komplete wären hier ein fetter Fundus. Den ersten kostenpflichtigen Remixdeck-Content gibt es ja seit Kurzem, wie wir es seinerzeit beim Test des F1 prognostiziert haben. Nun die Makro-Effekte im Einzelnen…

In der Kontrol-Sektion sehe ich vier beleuchtete Tasten, deren angestammte Aufgabe es ist, ebenso viele Hotcues und/oder Loops anzuspringen, die sich mit der Shift-Taste jederzeit wieder löschen lassen. Sind hier Schleifen abgelegt, schwenkt die Beleuchtung von Blau auf Grün um. Noch bunter wird’s im Sample-Modus, denn dann fungieren die vier Buttons wie die S4-Sample-Controls, nur entsprechend der Remixdeck-Farbgebung. Sie aktualisieren den Zustand in Kombination mit dem F1 bidirektional. Die Plätze können vom Mixer aus eingestartet und gemutet werden. Ferner ist es möglich, Audiomaterial aus dem übergeordneten Deck zu extrahieren, wenn sie nicht belegt sind. Bedeutet: Deck C nimmt von Haus aus von Deck A und Deck D von Deck B auf. Die Capture-Quellen lassen sich jedoch über das Einstellungsmenü (Fokusbutton + Loop-Encoder) frei zuweisen, wobei neben Deck A und B auch Sound vom Loop-Recorder gemopst werden kann, nicht jedoch direkt von einem Live-Eingang, da hierfür der Loop-Recorder selbst angedacht ist. 

Nun sei kurz erwähnt, dass weitere individuelle Z2-Einstellungen im Menüpunkt „Preferences“ vorgenommen werden können. Fünf Kategorien sind gelistet: LED (Intensität), Mike/Aux (extern, intern), die Kalibrierung (Buttons, Fader, Knobs) und Werkseinstellungen. Im vorausgegangenen Kontext interessant ist vielmehr auch der Secondary Cue Mode (Shift + Deckfokus), denn neben den Hotcues fünf bis acht können hier auch Beatjumps oder fest zugeordnete, direkt abrufbare Loopgrößen definiert werden, was sich in Kombination mit dem Fluxmode ähnlich Seratos Loop-Rolls darstellt. Farbcodierung: Blau steht für einen Hot Cue, Grün für einen Loop. Gelb für „Load“, Orange für Fade-In/-Out und Weiß für Grid. Unter der Cue-Sektion residiert die Flux-Taste, dessen Zustand auch in der Kopfzeile des Decks abzulesen ist. Außerdem kann hier der Loop-Recorder deklariert werden. 

Der Flux-Modus läuft ähnlich ab, wie der Bleep- oder Slip Mode bei einem Pioneer-CDJ oder Serato-Software. In dieser Betriebsart wird die Abspielposition (vornehmlich bei Nutzung von Loops oder Cues) im Hintergrund gepuffert und der Song setzt die Wiedergabe nach Beendigung des manuellen Intermezzos an der Stelle fort, wo er sich ohne Eingriff des DJs befunden hätte. Das hat zum einen zur Folge, dass man auch bei kleinsten Schleifenzerhäxelungen mit einem zweiten Titel „in-Sync“ bleibt. Doch auch wer gerade nur einen Track beackert, kann den Vorteil verbuchen, dass das Musikstück durch fortwährende Loopstakkatos nicht unendlich in die Länge gezogen wird, weil die nachfolgende Titelpassage immerhin noch anstehen würde. Ferner kann der geneigte User so mit den Macro-FX aus langweiligen Breaks fette Build-Ups und - Downs bauen. Jedoch bietet sich der „Fluss“ nicht unbedingt für jedes Tool an. Zum Beispiel sind mir beim Cuejuggling die Sprünge je nach Titelposition und Quantisierung prinzipbedingt einfach zu weit auseinander. Warum Scratching im relativen Modus nicht gefluxt wird, ist mir indes schleierhaft. 

Dennoch wird bis dato deutlich, dass die Konzeption des Mixers sehr durchdacht ist, denn der Wechsel zwischen internen und externen Signalquellen ist gut ausgeklügelt, die Bedienung der Traktor Library ist „kinderleicht“, die kreativen Werkzeuge, die sich über den Z2 abfeuern lassen, sind schnell erlernt, einfach zu handhaben und genau bei der Hand positioniert. Super. Wem es nach mehr dürstet, der kann sich nach Bedarfslage weitere Kommandobrücken zulegen, sei es um noch mehr Effekt- und Track-Spielereien auszuführen oder um die Remixdecks in vollem Umfang zu bedienen. Das führt mich ...

… zum USB-Hub in Begleitung der beiden Controller F1 und X1 an den Flügeln des Pults. Dass sich die Jungs direkt am Mischer einstöpseln lassen, finde ich hervorragend, denn an meinem MacBook wäre dies aufgrund von lediglich zwei Ports nicht ohne Hub möglich. Dass sie allerdings so tief neben dem Mixer liegen, finde ich umso ungünstiger. Hier sollte Native-Instruments mit einem Hartplastik-Stand nachhelfen, da die Transport-Bags auch nicht die Ideallösung darstellen, aber die Konsolen immerhin fast auf Augenhöhe zum Z2 bringen. Oder ist das Hub vielleicht für zwei potenzielle Traktor Kontrol Mediaplayer Deck-Einheiten gedacht?

Ob man es bemängeln soll, dass der Z2 keine offensichtliche Transportabteilung mit auf den Weg bekommen hat? Nun ja, betrachte ich ihn im DVS-Kontext, wo die Steuerung über eine Schallplatte und das Versetzen der Nadel erfolgt, dazu stehen Encoder-Spulen, internes Play/Pause und ausreichend Hotcue-Buttons zur Verfügung, bin ich geneigt zu sagen : „Nöö“. Aber schön wäre es trotzdem. Der Z2 wendet sich in erster Linie an Protagonisten, die mit ihren CDJs oder Turntables arbeiten wollen und die sollten hinlänglich bedient werden. Und: Sie brauchen sich in ihrer Arbeitsweise nicht sonderlich umzugewöhnen, den sie können so zu Werke gehen, wie sie es seit Jahrzehnten tun und dabei den Vorteil einer in weiten Teilen an ihre persönlichen Anforderungen konfigurierbaren Software nutzen.

Grundsätzlich lässt sich eine Traktor-Performance mit dem Z2 aber auch ohne Timecodes oder Controller hinlegen, denn die Transportsteuerung inklusive Pitchbend kann genauso über die Laptop-Tastatur im internem Abspielmodus erfolgen. Das ist dann wohl auch die einfachste Herangehensweise an den Z2. Laptop anschließen, Soundkarte einstellen, Keyboard-Tabelle herausholen und loslegen. Ist noch gar nicht so lange her, da haben viele DVS-DJs aufgrund fehlender DJ-Kommandozentralen einen Teil der Funktionen mit der Tastatur bedient und manche machen es heute noch so. Eine weitere Variante wäre die Steuerung mit einem Tablet oder Mobilphone und einer Timecode-Generator-App. Seinerzeit hatten wir euch das Tool „Tonetable“ vorgestellt, das genau diese Funktion übernehmen kann.

Wer sich jedoch im Sektor der Hobbyisten ohne Vinyl-Attitüde oder Club-Ambitionen ansiedelt oder eben überhaupt keine „Altlasten“ (Turntable, CD) mitbringt, der kann durchaus auch zu einem DJ-Controller greifen und auf ein klassisches Setup verzichten. Je nach Erfahrungsgrad und Finanzen sind der S2 und der S4 eine ausgezeichnete Lösung. Schließlich muss man auch noch einen Blick auf die Konkurrenz der Traktor Scratch-zertifizierten Mixer werfen – aktuell also Allen&Heath XONE:4D, Denon X1600, Pioneer DJM850 und DJM 900NXS. Sie sind aktuell deutlich teurer als Natives Erstlingswerk. Nur der DJM-T1 kann neben dem XONE mit ähnlicher MIDI-Controller Ausstattung punkten. Zudem ist der Verkaufspreis um satte 50 Prozent seit unserem Test (hier zu lesen) gefallen und er hat soeben ein Firmware Update 3.0 bekommen. Da fragt sich der Autor, warum der DJM-T1 vorher doppelt so teuer war… Nun ja, vielen Dank für eure Aufmerksamkeit! Zeit für das Fazit…

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sehr guter Workflow
  • Nahtloses Zusammenspiel interner und externer Quellen
  • Sehr gute Audioeigenschaften
  • Ansprechendes Design
  • Stabiler Betrieb auf niedrigen Latenzen
  • Neuer Flux-Modus und Macro-FX
  • USB-Hub
  • Skalierbarkeit des Zugriffs auf Software-Funktionen
  • Mehrwert durch Sample-Decks mit Lautstärke-Potis
  • Allgemein gutes visuelles Feedback
  • Loop-LED-Displays
  • Einsteigerfreundliches, effizientes Layout

  • Kein Flux-Scratching
  • Keine dedizierte Transportsektion und Cue-Tasten für Deck C/D
  • Teilweise Kunststoff-Potistifte

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