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03.09.2018

Video-Workshop: 8 Sounds aus einer Bassdrum herausholen

Drum Sound Tutorial

So könnt ihr das maximale Potential aus eurer Trommel herausholen

Die Suche nach der einen Snaredrum oder dem einzigartigen Ride wird für manche wohl nie enden. Häufig lässt sich jedoch feststellen, dass sich viele Trommler eher stiefmütterlich um den Klang des Instruments kümmern, das mindestens so häufig wie die Snaredrum gespielt wird – die Bassdrum. Dabei ist diese mindestens genauso wichtig für einen authentischen Drumsound wie die passende Snare oder der richtige Beckensatz. Man stelle sich mal eine trockene und pappig klingende Bassdrum an einem sonst offen gestimmten Bebop Set, oder im Gegenzug eine paukig klingende Kick an einem Metal Set vor. Sicherlich sind das zwei extreme Beispiele, jedoch zeigen sie, dass erst der richtige Bassdrum-Sound den Gesamtklang eines Drumsets abrundet und in der Lage ist, ihn im besten Falle immens aufzuwerten. Es lohnt sich also, sich als Inspiration nochmal die Lieblingsalben anzuhören und genau auf den Sound der Bassdrum zu achten. 

Bei vielen Pop-Produktionen ändern sich die Drumsounds von Song zu Song. Dabei ist es besonders interessant, was das Sustain, also die tonale Länge der Bassdrum, in einem Song ausmachen kann. Wenn man an „When the Levee Breaks“ von Led Zeppelin denkt, nimmt die Bassdrum wesentlich mehr Platz ein als beispielsweise bei „Come Together“ von den Beatles. Beide Songs sind absolute Klassiker, denen nicht zuletzt durch einen charakteristischen Drumsound das gewisse Etwas aufgedrückt wurde. Auch wenn im heutigen Mainstream Pop viele Beats programmiert werden, können diese ja trotzdem für das akustische Schlagzeug als Inspiration dienen und spätestens bei der Live-Umsetzung ein wichtiger Teil des Drumsounds werden. Da verschiedene Drumsounds vermeintlich oft auch nach einer beträchtlichen Menge an Equipment verlangen, haben wir den Spieß umgedreht und mit einer Bassdrum so viele unterschiedliche Sounds wie möglich aufgenommen.

Das Setup

Über die Jahre haben sich bei Drumset-Konfigurationen, Snares und Becken Standardmaße ergeben, weshalb wir auch für die folgenden Klangbeispiele eine Bassdrum im Standardmaß von 22 x 14 Zoll von Slingerland aus den Siebzigerjahren verwendet haben. Die Kesseltiefe beeinflusst die Klangfarbe der Bassdrum. Ein tieferer Kessel sorgt im Regelfall für mehr Wärme und Tiefen, hingegen lässt sich mit einem kürzeren Kessel das Resonanzfell leichter in Schwingung versetzen. Bei Kesseln mit 18 Zoll oder gar mehr Tiefe, wie es noch vor ein paar Jahren besonders modern war, reagiert die Bassdrum also deutlich schwerfälliger, da die durch den Schlag bewegte Luft einen weiteren Weg zum Resonanzfell zurücklegen muss. Unter Umständen ist bei solchen Bassdrums dann ein offenes Tuning mit geschlossenem Resonanzfell kaum möglich. Im Studio gelten deshalb Kessel mit 14 oder 16 Zoll Tiefe als besonders variabel. Für den bestmöglichen Klang ist die Bassdrum in unseren Klangbeispielen an den Füßen mit Pearl Air Suspension Feet ausgestattet und verfügt am vorderen Spannreifen über einen sogenannten Anker. Dieser hilft nicht nur gegen das Wegrutschen des Kessels, sondern sorgt auch dafür, dass dieser den Boden nicht berührt, was das Schwingungsverhalten negativ beeinträchtigen würde. Ein Floortom klingt ja schließlich, wenn es auf Beinen steht, auch wesentlich voller als wenn sein Kessel einfach auf dem Teppich liegen würde. Wie bei der Kesselgröße haben wir auch beim Remo Powerstroke 3 Coated Schlagfell einen Klassiker gewählt. Das Fell wird mit Beatern aus Filz, Holz und Lammfell in Schwingung versetzt, wobei ich bei der Spieltechnik darauf geachtet habe, dass der Beater sich nach dem Schlag vom Fell weg bewegt, um der Bassdrum ihr volles Sustain zu entlocken.

Sound 1: Resonanzfell mit Loch und Dämpfung

Der Sound, der durch ein Resonanzfell mit Loch entsteht, ist wohl am weitesten verbreitet. Das Herausschneiden eines Loches hat vor allem tontechnische Gründe. Die Bassdrum bekommt spürbar mehr Projektion, da das Mikrofon nun den Attack des Schlagfells optimal einfangen kann. Auf Bühnen sammeln sich mit dieser Konstellation viel weniger Signale von den Mitmusikern im Mikrofon. Ein weiterer Vorteil ist, dass man die Dämpfung im Kessel anpassen kann, ohne dass man das Frontfell abnehmen muss. Außerdem ändert sich das Spielgefühl, da der Rebound durch die schneller entweichende Luft geschmälert wird. Je nachdem, wie viel Dämpfung sich im Kesselinneren befindet, wird dieser Effekt noch größer. Über die Jahre wurden viele Dämpfkissen und Dämpfungsrollen zum Verkauf angeboten, die allesamt oft nur verschönerte Varianten eines herkömmlichen Kissens oder eingerollten Handtuchs sind. Für unser Klangbeispiel kommt eben jene einfache Handtuchrolle zum Einsatz, die zur Fixierung an den Enden mit Gaffatape umwickelt ist.

Ihr hört bei allen Soundvarianten zunächst die Einzelschläge mit den Beatern aus Filz, Holz und Lammfell, jeweils einmal ohne und dann mit angezogenem Snareteppich. Anschließend ist die Bassdrum im Kontext eines Grooves angespielt. Durch die weiche Oberfläche entwickelt sich beim Lammfellschlägel grundsätzlich wesentlich weniger Lautstärke und Attack als bei den übrigen Beatern mit harter Schlagfläche.

Sound 2: Resonanzfell mit Loch, aber ohne Dämpfung

Wenn man die Dämpfung im vorangegangen Beispiel durch das Loch so einfach verändern kann, warum sollte man sie dann nicht auch mal ganz heraus nehmen? Und schon sind wir beim zweiten Sound, den viele wohl gar nicht auf dem Schirm haben. Manchmal entsteht beim Spiel ohne Dämpfung ein nach Plastik klingender Ton, gerne auch als „Basketball-Effekt“ bezeichnet. Dieser kann unter Umständen sehr präsent sein und auch durch gezieltes Umstimmen nicht verschwinden. Dagegen hilft ein kleines Handtuch, das man in die Mitte des Kessels legt. Wichtig ist in diesem Fall natürlich, dass das Handtuch die Felle nicht berührt, da eine Dämpfung in diesem Fall ja nicht erwünscht ist. Heraus kommt ein recht offen klingender Sound, der dennoch viel Attack besitzt und unter Umständen sehr rotzig klingen kann. Das Spielgefühl ist im Vergleich zur gedämpften Bassdrum mit Loch im Frontfell etwas lebendiger, jedoch ist der Rebound nicht so extrem wie bei einem geschlossenem Frontfell. Da man den Sound so schnell erreichen kann, solltet ihr ihn unbedingt mal antesten.

Sound 3: Ohne Resonanzfell

Genau genommen sind die folgenden Sounds nicht komplett ohne Resonanzfell entstanden, sondern mit einem alten Fell, das so weit ausgeschnitten wurde, dass es in die Tonalität beziehungsweise den Klangcharakter nicht mehr eingreift. Der Vorteil ist, dass der Spannreifen der Bassdrum montiert bleiben kann, damit die Gratung der Bassdrum vor Dellen durch Becken- oder Mikrofonstative geschützt ist und andererseits auch der Anker am Spannreifen verbleiben kann. Klanglich bewegen wir uns nun in trockeneren Gefilden. Da hier kein Resonanzfell mitschwingt, wird der Sound der Bassdrum wesentlich direkter und hat eine gute Portion mehr Attack, wodurch Filz und Holz-Beater nahezu den gleichen Klang erzeugen und sich lediglich das Spielgefühl etwas unterscheidet. Ohne Dämpfung besitzt die Bassdrum ein recht langes Sustain mit ausgeprägtem Rebound.

Sound 4: Ohne Resonanzfell mit Dämpfung

Als Dämpfung fungiert hier wieder die Handtuchrolle aus dem ersten Klangbeispiel. Legt man diese an das Resonanzfell, wird das Sustain kürzer, der Rebound geringer, und es entsteht ein tiefenbetonter Sound, der sehr reich an Attack ist. Durch den Fell-Beater wird der Klang sehr dumpf und bekommt so einen Sound, der an alte Funk- und Soul-Platten erinnert. Besonders beliebt ist dieser Sound auch bei Darren King, ehemaliger Trommler der Band Mutemath, der mit seinem im besten Sinne pappigen Drumsound den Klang der Alben mitdefiniert hat.

Sound 5: Ohne Resonanzfell mit viel Dämpfung und Ziegelstein

Für maximale Dämpfung kommt für diesen Sound zusätzlich eine dicke Wolldecke sowie ein Ziegelstein zum Einsatz. Der schwere Ziegelstein drückt dabei die Dämpfung an das Schlagfell und funktioniert damit wie ein straffes Gate. Dadurch wird der Attack maximiert, was besonders bei den Beatern aus Filz und Holz bemerkbar wird. Bei dieser Art von Dämpfung ist es dann auch fast egal, ob man mit dem Schlägel am Fell bleibt oder nicht, weil der Klang sowieso sehr kurz und punchig ist.

Sound 6: Geschlossenes Resonanzfell

Mit einem geschlossenen Resonanzfell lässt sich klanglich das komplette Gegenteil erzielen. Hatte die Bassdrum eben noch einen kurzen Sound mit viel Attack, wird der Klang nun durch das verwendete Remo Fiberskyn Ambassador Fell warm, rund und voll. Dennoch besitzt die Bassdrum mit den harten Beatern aus Filz und Holz genug Attack, um mit einer lauten Band mitzuhalten. Mit dem Fell-Beater lässt sich ein besonders warmer Vintage-Sound erzielen. Das Fiberskyn hat Remo als Kalbsfellimitat entwickelt, allerdings wird mit echten Kalbsfellen oder einem zusätzlichen Fiberskyn als Schlagfell der Sound natürlich noch authentischer. Dieses Setup eignet sich auch besonders gut für Konzerte in kleineren Clubs, mit unmikrofoniertem Schlagzeug. Anders als bei gedämpften Bassdrums mit Loch im Frontfell ist mit einem geschlossenen Fell nicht nur der Attack zu hören, sondern auch Ton und tiefe Frequenzen.

Sound 7: Geschlossenes Resonanzfell mit Dämpfung

Auch hier kommt wieder die Handtuchrolle aus den vorangegangen Hörbeispielen zum Einsatz. Unter Umständen kann nämlich in manchen Räumen das Sustain schlicht zu lang sein und damit im Zusammenhang mit den anderen Instrumente des Schlagzeugs unausgewogen klingen. Leichte Dämpfung kann man auch zwischen Fußmaschine und Schlagfell klemmen, jedoch sorgt meistens das Resonanzfell für einen zu langen Nachklang. Mit externer Dämpfung am Frontfell bekommt man das allerdings sehr schnell in Griff, wodurch ein weiterhin warmer, runder, aber kürzerer Sound entsteht und auch der Attack wieder etwas vordergründiger wird.

Sound 8: Effektsound mit vorgestellter Snare

Für einen besonders starken Effekt sorgt eine Snare, die mit angezogenem Snareteppich direkt vor dem Frontfell steht. Durch den mitsurrenden Teppich entsteht ein fast verzerrter, elektronischer Sound, der vor allem vor dem Drumset besonders deutlich hörbar ist. Das Sustain lässt sich mit der Teppichspannung der Snare beeinflussen. Diesen Effekt kann man zu allen vorherigen Sound-Beispielen hinzufügen. Im konkreten Beispiel hört ihr die Bassdrum mit Loch im Resonanzfell und Dämpfung im Inneren, gemeinsam mit einem besonders breiten Snareteppich für den maximalen Effekt.

Fazit

Wie ihr seht, und vor allem hört, können mit einer einzigen Bassdrum sehr viele unterschiedliche Sounds erreicht werden. Die vorgeführten acht Sounds lassen zudem noch viele Variationsmöglichkeiten zu. Das Ausmaß der Dämpfung hat natürlich genauso Einfluss auf den Klang wie die Fellauswahl, die diesen teilweise noch sehr beeinflussen kann. Wem der Effekt der Snaredrum vor dem Resonanzfell zu heftig ist, der kann beispielsweise ein Tamburin auf den Kessel legen und so der Bassdrum einen Effektsound verleihen. Experimentiert einfach mit den Materialien und findet den passenden Bassdrum-Sound für euren Musikstil!

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