Bass Hersteller_Warwick
Test
7
02.01.2020

Praxis

Wer vermutet, dass ein halbakustischer Bass per se deutlich leichter als ein herkömmlicher E-Bass sein müsse, der irrt: Mein heutiger Testkandidat bringt knappe 4,2 kg auf die Waage und liegt damit durchaus beim durchschnittlichen Gewicht eines Solidbody-Viersaiters. Der Korpus des Sklar Bass ist eben relativ groß und ein massiver Holzblock im Korpus trägt zusätzlich einen beträchtlichen Teil zum Gesamtgewicht des Basses bei.

In der Handhabung zeigt sich der preisgünstige Sklar Bass dennoch sehr unproblematisch. Eine leichte Kopflastigkeit ist bei Bässen dieser Art allerdings unvermeidlich, weil der vordere Gurtpin nicht - wie im Idealfall - auf Höhe des 12. Bundes liegt, sondern deutlich weiter rechts. Mit einem breiten rutschsicheren Gurt kann man dieser Problematik aber wirksam entgegentreten.

Scharfe Kanten am Korpus sind ein weiteres konstruktionsbedingtes Thema, dass den Spielkomfort bei halbakustischen Bässen häufig negativ beeinträchtigt. Beim Sklar Bass wurde die Korpusoberseite hingegen lobenswerterweise leicht abgeflacht, sodass der rechte Unterarm relativ komfortabel auf dem Bass liegt und auch nach längerer Spielzeit nicht ermüdet oder gar schmerzt.

Auch beim Halsprofil für den Sklar Bass hat Warwick für meinen Geschmack alles richtig gemacht. Man hat das Gefühl auf einem wendigen Jazz-Bass-Hals zu spielen und selbst die dicke Lackierung auf dem Halsrücken empfinde ich in keiner Weise als unangenehm: Der Hals fühlt sich in keiner Weise "klebrig" an und die Lagenwechsel gehen absolut geschmeidig von der Hand.

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Ein wichtiger Grund, warum sich der Rockbass Artist-Line Sklar Bass derart angenehm spielen lässt, hat aber weniger mit der Konstruktion, sondern vielmehr mit dem sehr guten Setup des Basses zu tun. Mein Testexemplar besitzt eine sehr niedrige Saitenlage und die Halskrümmung ist perfekt eingestellt, sodass sich der Bass wirklich kinderleicht bespielen lässt. Selbst in den tiefen Lagen ist nur minimaler Kraftaufwand nötig, weil sich die Saitenhöhe am Sattel mit dem cleveren "Just A Nut"-Sattel perfekt justieren lässt.

Trocken gespielt ist der halbakustische Rockbass nicht wirklich lauter als ein Soldbody-Bass, der Sound wirkt jedoch etwas offener und luftiger. Mein Testexemplar schwingt außerdem sehr stark und gleichmäßig, was eine ebenmäßige Klangentwicklung über das ganze Griffbrett und ein stattliches Sustain zur Folge hat - Deadnotes sucht man daher vergebens!

Das hört sich doch schon mal sehr vielversprechend an - dann wollen wir mal hören, was der Sklar Bass aus der Rockbass-Serie am Amp zu bieten hat! Für das erste Audiobeispiel bleibt der Eqaulizer komplett außen vor und der Balanceregler steht in der Mittelstellung - wir hören also beide Singlecoils zu gleichen Teilen:

Offen gestanden ist das auch schon gleich mein Lieblings-Sound mit dem Lee Sklar Artist-Line-Modell. Das Low-End ist schön fett, aber nicht schwammig, und knurrige Mitten sorgen für viel Wärme und Durchsetzungskraft - alles in allem liefert der Sklar Bass einen voluminösen Sound mit leicht akustischer Note, der hervorragend im Bandmix sitzt und zu vielen Musikstilen ausgezeichnet passt.

Wenn man nun auf den Halstonabnehmer blendet, so wird der Sound noch eine Spur sonorer, die Definition bleibt aber nicht auf der Strecke. Der Preci-ähnliche Sound funktioniert sicherlich hervorragend in Bands, bei denen viel Platz für einen breiten und offenen Basssound ist.

Knochentrockene Fusion-Sounds im Jaco-Style funktionieren mit dem Lee Sklar Bass ebbenfalls, man muss dafür lediglich auf den Stegtonabnehmer blenden. Für die Aufnahme habe ich die Bässe mit der Rockbass-Elektronik leicht angehoben, um das Fundament zusätzlich zu stärken.

Der Onboard-Equalizer macht aus dem Sklar Bass sicherlich kein Soundchamäleon, für kleinere Anpassungen sind die beiden Filter jedoch sehr gut geeignet. Wenn man die Höhen ordentlich boostet, bekommt der Sound mehr Glanz und Strahlkraft, harsch wird es aber erfreulicherweise zu keinem Zeitpunkt. Etwas Vorsicht sollte man jedoch beim Umgang mit dem Bassregler walten lassen, denn der Sklar Bass kommt von Natur aus mit einem voluminös-offenen Bassbereich, der durch starke Anhebungen bei Extremeinstellungen etwas zu wuchtig geraten kann.

Im letzten Clip hört ihr noch einmal den Halstonabnehmer des Rockbass Sklar Bass im Solomodus. Mit dem EQ habe ich hier die Bässe etwas angehoben und die Höhen stark abgesenkt - das Resultat ist ein umwerfend cooler Vintage-Sound!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • tolle Retro-Optik
  • tadellose Verarbeitung
  • kerniger Sound mit akustischer Note
  • hochwertige und funktionale Hardware
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

  • Bauartbedingt leichte Kopflastigkeit
  • leider kein passiver Betrieb möglich

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