Workshop_Folge Workshop_Thema
Workshop
5
08.04.2019

Wie könnt ihr als Anfänger-DJ eure Mixkünste unter Beweis stellen?

Praktische Tipps für den Weg vom Bedroom in die DJ Kanzel

Aller Anfang ist schwer! Sitzen die mühselig einstudierten Skills, möchte man die Begeisterung für fließende Übergänge und plattenkratzende Cuts mit seinem Publikum teilen. Aber für den Sprung in den Club oder auf das Event fehlt es oft an Erfahrung, Routine und Reputation. Wird einem dann als Rookie die Chance gewährt wird, steht man mitunter nervös zitternd vor seiner Crowd und geht baden, wenn es heißt, den Dancefloor zu füllen.

Die Stimmung und euer Ruf sind im Eimer, die Karrierekarre steckt schon im Graben, bevor es richtig losgegangen ist. Damit ihr das ramponierte Image nicht anschließend wieder mühselig aufpolieren müsst, nehmt euch folgende Tipps zu Herzen, um aus dem Bedroom auszubrechen:

Nehmt ein Mixtape auf und teilt es

Obwohl die antiquierte Bezeichnung „Mixtape“ noch vom analogen Kassetten-Format stammt, ist sie in das digitale Zeitalter überliefert und büßte von ihrer Bedeutung für die Präsentation eines DJs in der Gegenwart nur bedingt ein. Denn Sync, Mixsoftwares und weitere digitale Stützräder wie auch die nicht überprüfbare Fähigkeit im Umgang mit dem Publikum schmälern die Glaubwürdigkeit von Mixtapes als Bewerbungstool für Club-Gigs.

Manuell am Setup gemixt, offenbaren sie den kleinsten Fehler beim Mixing und dienen somit auch eurer objektiven Selbsteinschätzung beziehungsweise Kontrolle. Sie drücken außerdem euren musikalischen Stil und das Gefühl für Dramaturgie aus. Teilt sie im Web, um neue Fans, Follower und damit Aufmerksamkeit zu gewinnen.

 

Gründet euren Podcast-Kanal

Spinnt den Gedanken des Mixtapes weiter und baut einen eigenen Podcast-Kanal auf, in dem ihr regelmäßig eure Abonnenten mit neuen Mixes, Tracks und Features beliefert. Nehmt die Leute an und das Mikrofon in die Hand. Erzählt den Followern ein paar Facts über die aufgelegten Produktionen und Künstler. Stellt euch dabei vor, ihr steht vor eurem Publikum. Letztlich gewinnt ihr damit auch Routine im Umgang mit dem Mikrofon, der Moderation und ein Gefühl für den Klang eurer Stimme.

Streamt eure DJ-Session live

Kredibler als Mixtapes sind Live-Streams in sozialen Netzwerken. Eure Crowd schaut euch während der Performance förmlich auf die Finger und sieht, dass ihr euer Handwerk beherrscht. Begrüßt eure Zuschauer, um eine persönliche Bindung aufzubauen. Erklärt ihnen kurz, was sie erwartet und mit welchem Equipment ihr auflegt. Um eine möglichst hohe Einschaltquote zu erreichen, geht am besten wochentags zwischen 20.00 und 21.00 Uhr auf Sendung.

Vorsicht: Beachtet die Track-Auswahl bezüglich des Urheberrechts. Denn Facebook, YouTube und Co. sperren den Videostream, wenn euer Set urheberrechtgeschützte Musik beinhaltet.

Legt bei kleinen privaten Events von Freunden auf

Bekommt euer Freundeskreis Wind davon, dass ihr auflegt, „bucht“ man euch sicherlich vom Fleck weg für kleine „interne“ Feierlichkeiten, sei es in der Wohnung, im Haus oder in der Garage. Für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. Denn bevor die Musik anonym vom Shuffle-Modus des Streamingdienstes dirigiert wird, lieber einen DJ hinter das Pult stellen. Das macht schon allein vom Erscheinungsbild mehr her. Mit euch können die Gäste kommunizieren und eventuell auf eure Playlist ein „kritisches“ Auge werfen. Vorausgesetzt, ihr möchtet auf die Situation auf dem Dancefloor und Musikwünsche reagieren. Es gleicht einem Heimspiel, das Sicherheit verleiht.

Ihr kennt euer „Publikum“ persönlich, braucht euch nicht zu genieren, wenn auch mal ein Mix in die Hose geht oder sich die Tanzfläche leert. Damit sammelt ihr erste Erfahrungen beim Auflegen vor Publikum und könnt deren Reaktion auf eure Musik bewerten.

Schließt euch einer Band an

Nicht nur im Hip-Hop oder Nu-Metal nimmt der DJ die Position eines Musikers ein. Sein Wissen und Handwerk sind auch im Studio und bei der Liveperformance unabhängig des Scratchings gefragt. Denn auch des DJs digitale Tugenden wie Fingerdrumming, Sampling oder das Zuspielen von geloopten Track-Fragmenten bieten euch als Soundtüftler kreativen Freiraum für die künstlerische Entfaltung in einer Band.

Geht mal in die in Jugendclubs

In staatlichen Einrichtungen für Jugendarbeit versammeln sich Teenager zum Interessensaustausch, Tischtennisspielen oder ähnliches. Liefert dazu den Soundtrack und legt im Hintergrund auf. Wissbegierige werden sich für euer Hobby „DJing“ interessieren, das ihr gern in Workshops intensiver erklären könnt. Auch damit verliert ihr die Scheu vor dem Publikum und die im Bedroom angeeignete Betriebsblindheit.

Belegt Schoolyard-Slots

Auch Online-Formate wie Beatconnect fördern den Nachwuchs. Speziell im sogenannten Schoolyard-Slot legen noch unbekannte, unerfahrene DJs ein sechzig-minütiges Set in einem Club auf, unter den Augen eines ausgewählten Publikums und mehrerer Videokameras, die das Set live auf YouTube und Facebook übertragen. Um euren Namen auch werbetechnisch in Szene zu setzen, wird im Vorfeld ein Pressebild samt Text, im Nachgang auch ein Interview veröffentlicht. Eure Künstler-Vita füllt sich mit ersten belegbaren Referenzen, die auch Aufmerksamkeit bei manchen Booker erzeugen.

Übt, was das Zeug hält

Nur Selbstvertrauen, nicht zu verwechseln mit Arroganz und Selbstüberschätzung, bietet den kritischen Blicken und Ohren Paroli, mitunter auch der Missgunst des Publikums. Übt deswegen jeden Tag eure Blenden, Cuts und Moves auf den Plattentellern oder Jogwheels. Auch die Muskulatur muss sich erst auf die neue Herausforderung einstellen und entsprechend aufbauen. In euren eignen vier Wänden sind Fehler erlaubt. Mit jedem lernt ihr dazu.

Zeitmanagement

Überprüft, wie lange ihr in der Regel für die Trackauswahl, das Beatmatching und die weitere Vorbereitung zum Mixing des Tracks benötigt. Überschreitet ihr die 2-Minuten-Grenze, seid ihr noch zu langsam, denn Radio-Edits haben meist eine Länge von circa dreieinhalb Minuten. Das komplette Ausspielen von Club-Edits sorgt ohnehin eher für Gähnen als Hands-Up-Stimmung auf dem Dancefloor.

Ein 60-minütiges Set gleicht einem Sprint, ein Club-Gig, der sich fünf bis acht Stunden zieht, dagegen eher einem Marathon. Dieser erfordert Durchhaltevermögen, dazu einen klaren Kopf und Plan. Doch nicht verzagen: Bevor ihr resigniert, holt euch lieber Rat von Profis, die euch einschätzen, bewerten und hilfreiche Tipps geben. Oder meldet euch an einer DJ-School an, um euch die Skills von geschulter Hand beibringen zu lassen. Dann seid ihr vielleicht bereit für den ersten Club-Gig.

Eines noch: Wenn euer Set über ein fettes Soundsystem in der Location ertönt, werdet ihr vor neue akustische Herausforderungen gestellt. Überdimensionierte PAs sind an die Fülle im Club anzupassen. Verzögerte Laufzeiten des gehörten Signals von der PA spielen beim Mixing übel, können indes über eine noch lauter dröhnende Monitorbox maskiert werden. Doch wisse: Erhöhte Lautstärken erzeugen Stress, wie auch ein Publikum voller Erwartung, das unter Druck setzt. Dies handelt ihr nur mit Souveränität, antrainierter Routine und einer sehr guten Set-Vorbereitung mit viel Spielraum für die jeweilige Situation. Damit haltet ihr euch den Rücken frei für das Scannen des Publikums und das Lautstärkenmanagement. Letztlich gilt: Nur Übung macht den Meister!

Veröffentlicht am 08.04.2019

Gehört zu dieser Serie

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X