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Test
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05.02.2019

Yamaha P-515 Test

Digitalpiano

Zwischen Bühne und Wohnzimmer

Stage- und Digitalpianos basieren auf demselben Grundkonzept. Für beide Instrumentengattungen sind die entscheidenden Faktoren die Spielbarkeit der Tastatur und die Authentizität der Pianoklänge. Die Unterscheidung zwischen den beiden Typen liegt im Wesentlichen darin, dass Stagepianos über keine integrierten Lautsprecher verfügen und Digitalpianos auf einem Unterbau befestigt werden, welcher der Tastatureinheit formal die Optik eines Möbels gibt. Mit ihrem P-515 inkl. dem passenden Unterbau für den Heimbetrieb (Set), wollen Yamaha diese Zweiteilung aufbrechen und vermarkten das Digitalpiano als Zwitterwesen zwischen Bühne und heimischem Musikzimmer.

Details

Das "P-515" Digitalpiano ist physisch 'nur' das eigentliche, mit Lautsprechersystem ausgestattete, transportable Piano-(Oberteil), das mit dem passenden Unterbau (L-515) und der dafür vorgesehenen Dreier-Pedaleinheit (LP-1) zu einem heimischen Klavierersatz umfunktioniert werden kann. Alle genannten Komponenten können sowohl in schwarzer (B) sowie in weißer (WH) Ausführung erworben werden.

Das Modell P-515 selbst ist das Premium-Modell der Serie und entsprechend gut ausgestattet: Ein zwei-Wege Lautsprecher-System mit insgesamt 40 Watt gibt die Klänge von zwei Konzertflügeln wieder (Yamaha CFX und Bösendorfer Imperial). Gespielt werden die 256 möglichen Stimmen des Instruments über eine „Natural Wood X" (NWX)-Tastatur, die mit ihrem Echtholz-Kern nebst Druckpunktsimulation das Spielgefühl an einem Flügel simuliert. Flankierend arbeitet noch das „Virtual Resonance Modeling (VRM)“ daran, dass auch das Resonanzverhalten eines echten Flügel-Körpers und der beteiligten Komponenten (u. a. Saiten, Dämpfer, Rahmen) im Gesamtklang hörbar werden.

Daneben haben Yamaha das P-515 mit umfassenden Integrations- und Eingriffsmöglichkeiten ausgestattet: Das reicht von der tiefgreifenden Modifikation der Klänge am Gerät selbst, über die direkte Aufnahme und Bluetooth-Anbindung, bis hin zur Assistenz durch iOS-Apps, begleitende Rhythmus-Playbacks und die Integration einer zusätzlichen XG-Klangerzeugung mit 40 Stimmen.

Auspacken

Unser Testgerät wird uns von der Spedition bereits vollständig montiert auf einer Europalette geliefert, um uns die Arbeit zu erleichtern. Erwirbt man das Digitalpiano und den dazu passenden Unterbau nebst der angebotenen Dreier-Pedaleinheit, so befinden sich die Produkte in entsprechenden Kartons und müssen selbst montiert werden. Für den Bühneneinsatz kann das P-515 von dem Unterbau (falls gekauft) mittels sechs Schrauben gelöst werden und sollte in einem robusten Case transportiert werden, um die Lackierung sowie mechanische Teile, wie Tastatur und Bedienelemente zu schützen. 

In Hinblick auf die Konzeption als Heim- wie Stage-Instrument, hätte ich mir an dieser Stelle allerdings eine flexiblere und einfachere Verbindung gewünscht: Ein großer Haltebügel vielleicht, den man bei Bedarf lösen kann, oder Muttern mit großem Kunststoff-Kopf. Kaum jemand wird nach einem anstrengenden Gig noch Lust haben, den Akkuschrauber oder einen Schraubendreher auszupacken.

Erster Eindruck

Etwas konfus stellt sich der Materialmix des Instruments dar: Die Seiten sind hochglänzend beschichtet, das Bedienfeld hingegen ist – relativ kratzempfindlich – matt lackiert und über der Tastatur findet sich dann noch mal eine Holz-Textur. Das wirkt in der Summe irgendwie unruhig. Eine homogene Materialität wäre sicherlich die elegantere Wahl.

Nicht ganz überzeugend ist die mechanische Ausführung des Notenhalters. Er wird mit zwei gummi-überzogenen Metallstiften in den entsprechenden Bohrungen auf der Oberseite des Gehäuses befestigt. Nach dem Einsetzen hat dieser am höchsten Punkt allerdings ca. einen Zentimeter Spiel nach vorne und hinten. Das resultiert bei regelmäßiger Nutzung, besonders, wenn man an dieser Stelle ein schweres iPad Pro oder dicke Partituren platziert, in einer hohen mechanischen Belastung für Stifte und Bohrungen. Falls man aus Versehen hier einmal wirklich schwungvoll den Halter treffen sollte, dürften die Stifte unter Garantie brechen. Der Notenhalter ist also mit einer gewissen Sorgfalt zu behandeln. 

Anschlüsse

Die Stromversorgung des Digitalpianos erfolgt über ein externes 16-Volt-Netzteil (45 Watt) mit einer praktischerweise nach hinten versetzten Buchse. Von links nach rechts finden sich auf der Rückseite: Ein externer Stereo-Audio-In, ein Stereo-Ausgang (Standard-Klinke), eine USB-to-Host-Buchse, MIDI-In/Out (DIN) und eine Buchse für ein Sustain-Pedal. Nutzt man die im Unterbau integrierte Pedaleinheit, kommt ein Mini-DIN-Stecker zum Einsatz.

Vorne an der linken Ecke sitzen dann zwei Kopfhörer-Ausgänge (Stereoklinke). Schließt man hier einen Kopfhörer an, werden die Lautsprecher automatisch stumm geschaltet. Der Lautstärke-Regler an der Oberseite regelt dann sowohl die Lautsprecher, wie auch den Kopfhörer-Ausgang. Ebenfalls auf der Oberseite befindet sich eine USB-Buchse (USB 2.0/3.0 kompatibel) die der Entgegennahme von Speichermedien dient. Hierüber können dann sowohl Einstellungen wie auch MIDI- und Audiodaten gespeichert und abgerufen werden.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Ausgezeichneter Pianoklang (mit VRM)
  • Sehr gut spielbare Tastatur
  • Doppelter Kopfhörer-Ausgang
  • Umfassende Integrationsmöglichkeiten
  • Smart Pianist App

  • Aufwendige Verbindung zum Ständer durch Schrauben
  • Multitrack-Benutzung direkt am Gerät kompliziert
  • Einige Funktionen redundant
  • Manche Funktionen nur über (unbeschrifteten) Shortcut erreichbar
  • Notenhalter wackelig
  • Interne Lautsprecher etwas Bass-arm

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