Test
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19.03.2018

Zerodebug Soda Test

DJ-App für iOS

Virtuelle DJ-Oberfläche zum Selbermachen

Machen wir uns nichts vor: Mittlerweile wäre es technisch gesehen kein Problem, sich nur mit einem iPad nebst Audiointerface in den Club zu stellen und die Nacht musikalisch zu gestalten. Einige werden jetzt vielleicht Einspruch erheben und argumentieren, dass die bisherigen Apps und Tools dafür doch noch ein bisschen zu spielzeugmäßig sind und einfach nicht mit den professionelleren Werkzeugen auf Augenhöhe sind. Die neue für iOS-Geräte entwickelte DJ-Software „Soda“ könnte an dieser Wahrnehmung vielleicht etwas ändern und kommt mit einigen sehr überzeugenden Features daher. Aber der Reihe nach:

Details

Beim ersten Start sieht Soda aus wie eine übliche DJ-App in schlichtem funktionalen Design. Besonders im Vergleich mit dem Platzhirsch „djay 2“ von Algoriddim wirkt der Look hier nicht so opulent bunt und ist näher dran an Native Instruments „Traktor“, dem anderen großen Mitbewerber. Dem Benutzer präsentiert sich ein Setup mit zwei Decks – Standard.

Der schnörkellosen Optik wird in Bezug auf Funktionsvielfalt aber einiges entgegengesetzt, speziell wenn man sich diesbezüglich die zwei anderen gerade genannten Apps anschaut. Da zeigt Soda sofort, was drinsteckt und sich bei Traktor und djay 2 zwar auch weitestgehend machen lässt, aber zunächst unter Submenüs verborgen bleibt. Stattdessen wird einem direkt die volle Bandbreite der Möglichkeiten sprichwörtlich aufs Auge gedrückt. Einsteiger werden eventuell gerade zu Anfang ein bisschen überfordert und im schlimmsten Fall sogar abgeschreckt durch die vielen virtuellen Buttons, Anzeigen und Slider. Wer das Programm kauft, weiß aber vermutlich schon vorher, worauf er sich einlässt.

Features

Man sieht, dass die Entwickler von Zerodebug jahrelang an Soda herumgefeilt und dabei stets ihre eigene Vision verfolgt haben. Das fängt schon bei der Anzahl der Decks an: Beim Start gibt es zwar nur zwei davon, aber insgesamt sind satte acht Player möglich – Wahnsinn! Bis zu 16 Cuepoints können pro Deck und Track eingerichtet und benannt werden. Loops sind ebenfalls im Repertoire, auch dafür können die Cuepoints benutzt werden. 

Fünf verschiedene interne Effekte sind im Angebot, externe Effekte lassen sich über die Audio-Unit-Schnittstelle einbinden. Automatische Tempo- und Tonarterkennung ist heute ja obligatorisch, über die Timestretch-Funktion wird auf Wunsch die Tonhöhe beim Pitchen beibehalten, wir kennen das auch unter dem Namen „Key Lock“. 

Sämtliche virtuellen Regler und Buttons lassen sich via MIDI auf Hardware-Controller mappen, insofern diese an ein iPad (oder auch iPhone) angeschlossen werden können und damit kompatibel sind. Equalizer und Filter sind für jeden DJ gängiges Handwerkszeug und fehlen natürlich auch hier nicht, genauso wenig wie Lo-, Mid- und Hi-Kill-Switches oder der allseits beliebte und nicht wegzudenkende Crossfader. 

Auto-Sync ist ebenso selbstverständlich heutzutage – wo kämen wir denn dahin – kann aber auch deaktiviert werden für all die Jocks, die ganz klassisch „von Hand“ das Tempo bearbeiten wollen. Mit dem entsprechenden Audiointerface (jedes iOS-kompatible wird unterstützt) oder alternativ einem Split-Kabel, kann auch per Kopfhörer vorgehört werden. 

Dass eine DJ-App, die von den Entwicklern der Ableton Live-Fernbedienung „Touchable“ stammt, auch das immer gängiger werdende Sync-Format „Ableton Link“ unterstützt, ist vielleicht keine große Überraschung, aber trotzdem positiv hervorzuheben. Musikdateien können auf diverse Arten ins Spiel gebracht werden, der Zugriff auf die iTunes-Bibliothek ist dabei naheliegend, aber auch aus dem iCloud Drive, der Dropbox oder der neuen Files-App (ab IOS 11) darf importiert werden. Playlists werden ebenso unterstützt und sind sogar editierbar. Die Tracks werden auf Wunsch nach Titel, Künstler, Tempo oder auch Tonart sortiert.

Das wichtigste Feature und sogar entscheidendste Alleinstellungsmerkmal von Soda verbirgt sich hinter einem kleinen, bescheidenen Button rechts auf der oberen Menüleiste. Wer auf „Edit“ tippt, begibt sich quasi auf die Zufahrt in den Kaninchenbau, denn alle gerade genannten Funktionen können vom Benutzer nach Lust, Laune und Bedürfnis zu einem ganz eigenen, individuellen Interface zusammengebastelt werden. Ihr wollt fünf Decks, nur ausgerüstet mit Sync und Effekten? Kein Problem! Acht Decks mit Loops, Cue-Punkten und Send-Reglern für Effekt-Ketten? Warum nicht! Das passt alles nicht auf eine Seite? Macht nichts, wir haben ja gleich sieben im Angebot.

Wem das alles ein wenig zu schnell geht oder gar kein großes Interesse am Selbermachen hat, kann für den Anfang eines von neun verschiedenen vorgefertigten Setups laden. Dabei stehen neben dem Start-Layout mit zwei Decks zum Beispiel direkt welche mit drei oder vier zur Auswahl. Unter dem Namen „trktr“ verbirgt sich sogar ein Design, was genau so aufgebaut ist, wie das von dem namensgebenden Konkurrenten. Herrlich. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • frei konfigurierbare Oberfläche
  • MIDI-Mapping
  • bis zu acht Decks
  • Key-Lock
  • Ableton-Link
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • externe Effekte über AUv3

  • anfängliche Lernkurve
  • Effektsektion nicht berauschend
  • Dokumentation nicht sehr umfangreich

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